Donnerstag, 6. Dezember 2007

OECD senkt 2008-Prognose für Österreich:
BIP wird statt 2,6 lediglich um 2,5 % wachsen

  • Für heuer aber von 3,2 auf 3,3 % nach oben revidiert
  • Starker Euro wird sich negativ auf Exporte auswirken

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten hat die OECD ihre Wachstumsprognosen für die westliche Welt deutlich zurückgenommen. Die Preisschocks auf den Rohstoff- und Ölmärkten und die US-Hypothekenkrise werden die Konjunktur 2008 kräftig ausbremsen. Auch für Österreich hat die OECD ihre Wachstumsprognose nach unten revidiert, wenn auch nur leicht. Die Pariser Organisation rechnet für 2008 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,5 Prozent - nach erwarteten 2,6 Prozent in der Frühjahrsprognose im Mai.

Für 2009 wird ebenfalls ein BIP-Anstieg von 2,5 Prozent erwartet. Für 2007 geht die OECD trotz des verhaltenen privaten Konsums von einem soliden Wachstum aus, sie hat ihre BIP-Prognose am Donnerstag sogar leicht von 3,2 Prozent (Mai-Prognose) auf 3,3 Prozent nach oben revidiert. Die jüngste Prognose für die beiden kommenden Jahre 2008 und 2009 bedeutet aber im Vergleich zu 2007 eine deutliche Verlangsamung des heimischen Wirtschaftswachstums. Mit ihrem Wirtschaftsausblick liegt die OECD damit genau im Durchschnitt der heimischen Wirtschaftsforscher.

Grundtendenz dennoch nicht schlecht
Dank hoher Unternehmensgewinne und eines robusten Wachstums in den Schwellenländern sei die Grundtendenz aber gar nicht so schlecht, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem Ausblick. Die Staaten müssten allerdings dem Druck widerstehen, zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen und die Kontrolle der Ausgaben zu lockern.

Nachdem die Schocks verkraftet seien, könne die Wirtschaft zumindest in Europa schnell wieder ihr Expansionspotenzial ausschöpfen, schreiben die Experten. Das Wachstum im Euro-Raum werde im nächsten Jahr von 2,6 auf 1,9 Prozent einbrechen, um sich dann leicht auf 2,0 Prozent zu erholen. Dabei bleibe die Inflation bis 2009 auf 2,2 bis 2,3 Prozent begrenzt und die Arbeitslosigkeit gehe von 6,8 auf 6,4 Prozent weiter zurück.

Keine Rezession der USA
Die USA müssen laut OECD nächstes Jahr mit einem Wachstumsrückgang auf 2,0 Prozent rechnen. In die Rezession wird die größte Volkswirtschaft der Welt aber nicht rutschen. 2009 könne wieder die diesjährige Rate von 2,2 Prozent erreicht werden. Doch die Erwerbslosenquote wird parallel dazu von 4,5 auf fünf Prozent zulegen. Im Gegensatz zum Euroraum, dessen Außenhandel langsam in die roten Zahlen rutscht, dürften die USA ihr Leistungsbilanzdefizit in den kommenden zwei Jahren von 5,6 auf 5,3 Prozent des BIP verringern.

Ein großes Pfand für die Konjunktur ist laut OECD das Vertrauen in den Geldwert. "Sollten Zeichen für einen Anstieg der Inflationserwartungen aufkommen, muss auf kurze Sicht unter Umständen eine Konjunkturverlangsamung in Kauf genommen werden, um diesen entscheidenden Aktivposten der Politik zu wahren", heißt es. Der derzeitige "Einnahmesegen" der öffentlichen Haushalte dürfte nur vorübergehend sein. "Die Fiskalpolitik muss daher trotz kräftig sprudelnder Einnahmen den eingeschlagenen Kurs standhaft beibehalten."

Dollarabwertung sinnvoll
Die jüngste Dollarabwertung hat für die Experten zu einer sinnvollen Anpassung der Geldströme nach der US-Immobilienkrise geführt. Die Angst vor den Folgen von Wechselkursänderungen dürfe "nicht als Vorwand für interventionistische Maßnahmen herhalten, denn hier kann die Geldpolitik in der Regel mehr oder minder ausgleichend wirken", heißt es. Eine Aufwertung des Renminbi dürfte "angesichts der Überhitzungssymptome und der hohen inländischen Inflation" in Chinas eigenem Interesse liegen".

ÖSTERREICH
(wenn nicht anders angegeben, Veränderung zum Vorjahr in Prozent)

---200720082009
Privater Konsum1,61,92,0
Staatskonsum2,32,01,3
Exporte6,35,46,2
Importe4,64,95,4
BIP zu Marktpreisen3,32,52,5
Arbeitslosenquote*)5,35,35,5
Inflation (HVPI)2,12,42,0
Haushaltsdefizit(in Prozent des BIP)-0,8-0,6-0,2


Bruttoinlandsprodukt

USA2,22,02,2
Japan1,91,61,8
Deutschland2,61,81,6
Euro-Zone2,61,92,0
OECD-Länder2,72,32,4



Inflation

USA               2,62,12,0
Japan              -0,5-0,30,3
Deutschland 2,22,31,8
Euro-Zone   2,22,22,3
OECD insgesamt   2,32,12,1



Arbeitslosenquote

USA 4,65,05,0
Japan  3,83,73,6
Deutschland   6,45,75,6
Euro-Zone6,86,46,4
OECD insgesamt  5,4   5,45,3



(apa/red)

6.12.2007 15:24