Ungarische MOL bleibt Fusions-Wunsch der OMV: Jetzt gerichtliche Schritte eingeleitet
- MOL vor den Richter wegen "Golden Share"-Aktie?
- Zusammenschluss brächte strategische Vorteile

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat seine Absicht eines Zusammengehens mit der ungarischen MOL erneuert. Die positive Haltung der OMV- und der MOL-Aktionäre zu den wirtschaftlichen und strategischen Vorteilen eines Zusammenschlusses bestärke die OMV in der Absicht, eine Kombination der beiden Unternehmen anzustreben, erklärte der Konzern in einer Ad-hoc-Aussendung.
Die bedingte Absichtserklärung vom 25. September d.J., den MOL-Aktionären - nach Beseitigung bestimmter Hindernisse - einen Preis von 32.000 Forint (126,4 Euro) pro Aktie in bar zu unterbreiten, entspreche einer Prämie von 43,6 Prozent gegenüber dem unbeeinflussten MOL-Aktienkurs von 22.290 Forint vom 21. Mai bzw. einer Prämie von 29,1 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 3. 12. 2007.
OMV glaubt an ihr Angebot
Die OMV glaube, dass ihr Angebot an die MOL-Aktionäre einen höheren Wert darstelle als dies bei einem unabhängig geführten Unternehmen der Fall wäre. Die OMV werde sich weiter darum bemühen, den MOL-Vorstand in seine Absicht, ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, einzubinden und ihre Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung des ungarischen Öl- und Gaskonzerns zu adressieren, heißt es weiter. Sollte dies in einem offenen Dialog nicht gelingen, sei OMV bereit, die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung zu initiieren, um allen MOL-Aktionären die Ausübung ihrer Rechte als Eigentümer des ungarischen Unternehmens zu ermöglichen.
Weiters habe OMV, um einer Verjährung vorzubeugen, gerichtliche Schritte gegen MOL eingeleitet - wegen der Beibehaltung der vom ungarischen Staat gehaltenen B-Aktie ("Golden Share"), der diskriminierenden 10-Prozent-Stimmrechtsbeschränkung und einer Bestimmung, wonach nur eine begrenzte Anzahl von Vorstandsmitgliedern gleichzeitig abberufen werden könne.
Sorge wegen wertmindernder MOL-Transaktionen
Die OMV sei als bedeutender MOL-Aktionär - unabhängig von ihrem beabsichtigten Übernahmeangebot - nach wie vor daran interessiert, das Management und den Vorstand der MOL in die Pflicht zu nehmen, heißt es in der heutigen OMV-Mitteilung weiter. Die OMV sei besorgt, dass der MOL-Vorstand - um eine Übernahme zu verhindern - wertmindernde Transaktionen verfolgen und die Wünsche der Mehrheit der MOL-Aktionäre missachten könnte.
OMV spürt durchgehend Widerstand
In Diskussionen mit den MOL-Aktionären habe die OMV weiters durchgehend Widerstand sowohl gegen die Verwendung von Unternehmenskapital zur Finanzierung von Aktienrückkäufen durch MOL registriert, als auch gegen die Vorgehensweise, diese Aktien durch verschiedene finanzielle Strukturen bei Institutionen zu platzieren, die als dem MOL-Vorstand nahe stehend angesehen werden können, heißt es in der Mitteilung weiter.
Termin für MOL-Hauptversammlung "völlig offen"
OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf seines Gesprächs mit dem ungarischen Premier Ferenc Gyurcsany in der vergangenen Woche. Gyurcsanys Position sei es zwar, der MOL die von der Unternehmensführung gewünschte Unterstützung zu geben, die ungarische Regierung habe jedoch ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und sei nun der Ansicht, dass OMV und MOL die Angelegenheit unter sich regeln sollten, berichtete Ruttenstorfer in einer Telefonkonferenz. Die MOL-Führung habe bisher aber nicht reagiert.
"Wir sind noch immer nicht zufrieden mit der Reaktion des MOL-Managements", sagte Ruttenstorfer. Der OMV-Generaldirektor bekräftigte neuerlich seinen Standpunkt, dass die geltende Stimmrechtsbeschränkung für MOL-Aktionäre aufgehoben werden und die "Treasury Shares" (MOL-Aktien im Besitz des Unternehmens) keine Stimmrechte haben sollten. "Wir sind auch nicht überzeugt von den kürzlich bekanntgegebenen Transaktionen", so Ruttenstorfer zum Erwerb der italienischen IES durch die MOL und zu dem von den Ungarn gewünschten 10-Prozent-Einstieg durch die CEZ. Sollte man in einem offenen Dialog zu keiner zufriedenstellenden Lösung kommen, sei man bereit eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen - der Termin dafür sei aber "noch völlig offen".
Bartenstein zu OMV und MOL
Warum von österreichischer Seite Kritik an der MOL-Stimmrechtsbeschränkung geübt wird, obwohl es eine ähnliche Regelung auch beim österreichischen Verbund gibt, konnte der OMV-Chef nicht im Detail beantworten. Er sei mit dem Thema nicht vertraut - Wirtschaftsminister Martin Bartenstein habe bereits angekündigt, die Begrenzung der Verbund-Stimmrechte durch eine Rechtsexpertise überprüfen zu lassen.
Der Aussage von MOL-Vorstand Ferenc Horvath im "Industriemagazin", wonach ein Zusammengehen von MOL und OMV nur dann sinnvoll sei, wenn die Raffinerie Schwechat verkauft werde, wollte sich Ruttenstorfer nur insoweit anschließen, als eine Fusion möglich sei. Es sei jedoch zu früh, über den Verkauf von Raffinerien zu sprechen - da müsse man erst eine Stellungnahme der EU-Kommission abwarten. Die in ungarischen Medien geäußerte Vermutung, wonach hinter den Bemühungen der OMV um eine Übernahme der MOL eigentlich der russische Gasmonopolist Gazprom stecken könnte, wies Ruttenstorfer zurück. Mit Gazprom gebe es lediglich eine bereits seit 40 Jahren dauernde Geschäftsbeziehung. "Wir kaufen lediglich Gas von Gazprom." (APA/red)

