FIA vertagt McLaren-Entscheidung auf '08:
Nutzt der neue Siberpfeil Daten von Ferrari?
- McLaren könnte mit Punkteabzug in Saison starten
- FIA veröffentliche Begründung des Renault-Urteils

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Die Entscheidung über Sanktionen für die kommende Saison gegen McLaren-Mercedes in der Spionage-Affäre um vertrauliche Ferrari-Information ist vertagt worden. Der britisch-deutsche Formel-1-Rennstall sowie die Scuderia und die anderen Teams sollen am 14. Februar in Paris bei einer außerordentlichen Sitzung des 26-köpfigen Gremiums die Chance haben, sich zum Untersuchungs-Bericht zu äußern. Dies teilte der Internationale Automobilverband FIA nach der Sitzung des Weltrats in Monaco mit.
McLaren-Mercedes war am 13. September vom sogenannten World Council mit der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte 2007 belegt worden. Zudem wurde eine eingehende Untersuchung der silbernen Rennwagen für die kommende Saison angeordnet. Diese wurde in den vergangenen Wochen von unabhängigen Experten durchgeführt.
Geprüft werden sollte, ob Informationen aus den Ferrari-Unterlagen in den Bau der neuen Autos eingeflossen sind. Die 780 Seiten umfassenden Daten der Scuderia hatte der frühere McLaren-Chefdesigner Mike vom einstigen Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney erhalten. Schlimmstenfalls könnte McLaren mit einem Punkteabzug in die am 16. März in Australien beginnende Saison gehen.
Ebenfalls Neues hat die FIA im Fall Renault bekanntgegeben. 18 Stunden nach dem Freispruch für den Rennstall hat die FIA die Urteilsbegründung veröffentlicht. Der Verband kündigte mögliche weitere Untersuchen an, falls neue Beweise auftauchen sollten. In einer gut sechsseitigen Mitteilung erklärte die FIA, dass die Ermittlungsergebnisse nicht für eine Strafe ausgereicht hätten. Der FIA-Weltrat hatte bei einer außerordentlichen Sitzung in Monte Carlo zwar einen Regelverstoß festgestellt, das französische Team aber nicht sanktioniert.
Mosley verteidigt Vertagung
Der FIA-Präsident Max Mosley verteidigte die Vertagung der erneuten Entscheidung in der Spionage-Affäre um McLaren-Mercedes und Ferrari. "Glauben Sie mir: Wenn wir 26 Leute aus der ganzen Welt einfliegen lassen, dann haben wir gute Gründe dafür", sagte der Brite.
Die FIA hätte "dieses leidige Kapitel gerne heute beendet, aber es gibt einen Report der Untersuchungskommission, der eine zweite Anhörung nötig macht", erklärte Mosley, nachdem am Freitag eine erneute Sitzung des FIA-Weltrates für den 14. Februar angesetzt worden war.
Kurz zuvor hatte die FIA zudem die Begründung für den Freispruch von Renault in der Affäre um vertrauliche McLaren-Daten nachgereicht. Mosley verglich die beiden Fälle auch mit Blick auf die spätere Verurteilung der Silberpfeile - 100 Millionen Dollar und Abzug aller Konstrukteurspunkte 2007. "Wir haben im Fall von Renault genauso entschieden wie bei McLaren in der ersten Weltratssitzung am 26. Juli. Das Team hat Paragraf 151c verletzt, es gibt aber keine Beweise, dass die Informationen, die der frühere McLaren-Ingenieur Phil Mackereth mit zu Renault brachte, die Weltmeisterschaft in irgendeiner Weise beeinflusst haben", sagte Mosley. Bei neuer Beweislage werde auch der Renault-Fall wieder aufgenommen.
McLaren sei indes bestraft worden, "weil sie am 26. Juli nicht die Wahrheit gesagt haben", so Mosley. Die Behauptung, dass nur Ex-Chefdesigner Mike Coughlan, der das Material von Ferraris ehemaligem Chefmechaniker Nigel Stepney bekommen hatte, davon wusste, sei falsch gewesen. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen hatte McLaren einräumen müssen, dass weitere Teammitglieder davon Kenntnis hatten.
Zwei CDs mehr als elf Disketten
"Renault hat von Anfang an zugegeben, dass die Informationen in einem größeren Kreis unter den Ingenieuren diskutiert wurden", erklärte Mosley. Der Unterschied der beiden Fälle lege im Umfang der Informationen. Mosley: "Phil Mackereth brachte elf Disketten mit zu Renault. Mike Coughlan hatte zwei CDs in seinem Besitz. Das entspricht der hundertfachen Datenmenge."
Der FIA-Chef unterstrich, dass bei McLaren und Renault absolut gleiches Maß angelegt worden sei. "Noch einmal: McLaren wurde nicht dafür bestraft, weil Coughlan vertrauliche Informationen auf seinem Computer hatte. Das hatte Mackereth auch. Bei McLaren haben wir aber den Verdacht, dass diese Informationen genutzt worden sind." Der Rennstall sei früh über die Zweifel informiert worden. "Sie haben genügend Zeit zu reagieren, sollte sich der Zweifel bestätigen", erklärte Mosley.
(apa/red)
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