Dienstag, 4. Dezember 2007

Der "schlafende Löwe" ist geweckt: ÖSV-
Herren mit breiter Brust zu den Heimrennen

  • Giger-Truppe mit einer tollen Bilanz in Nordamerika
  • Scheiber: Erfolge höher, als in den Goldenen Zeiten

Österreichs Skifans dürfen sich auf eine ÖSV-Herrenmannschaft in Hochform freuen. Sie kommt mit einer tollen Amerika-Bilanz und einem Dreifachsieg im Super-G von Beaver Creek von den Rocky Mountains in die Kärntner Nockberge, wo in Bad Kleinkirchheim der Herrenweltcup ein Comeback nach 15 Jahren gibt. "Der schlafende Löwe ist geweckt", meinte der Pressechef der Mini-WM in Colorado respektvoll.

Ob der "Wecker" der Abfahrtssieg von Michael Walchhofer oder doch die neu entflammte Rivalität mit den wiedererstarkten Schweizern gewesen war, ließ man dahingestellt. "Hauptsache wir gewinnen wieder und es geht weiter so", sagte Hannes Reichelt, nachdem er seinen Triumph von 2005 wiederholt hatte. Die Gründe? "Ich habe im Sommer einen guten Job gemacht und vor dem Rennen besonders gut besichtigt. Abe mit Nummer eins zu fahren ist immer ein Kamikaze-Job."

Reichelt, Mario Scheiber und Christoph Gruber hatten in Beaver Creek nicht nur das Appartement geteilt und dann im Super-G alle drei Podestplätze erobert. Sie dokumentierten auch, dass die ÖSV-Herren nach überstandenen Verletzungen sehr wohl das Potenzial haben, auch an Siegen wieder die Skination Nummer eins zu sein.

Schweizer an der Spitze
Diese Position haben derzeit die Schweizer inne, die nach acht Rennen mit 3:2 Saisonsiegen voran liegen und dank Daniel Albrecht (272 Punkte) vor Didier Cuche (259) auch eine Doppelführung im Weltcup innehaben. Benni Raich, nach dem Svindal-Out vielfach schon zum einsamen Favoriten abgestempelt, folgt mit 255 Punkten derzeit erst auf Platz drei.

Der Allrounder aus Tirol führt stattdessen bemerkenswerter Weise in der Super-G-Wertung. "Aber ich hab's auch im Slalom und Riesentorlauf drauf und die Saison geht jetzt erst so richtig los", blieb der Doppel-Olympiasieger gelassen.

Gefeiert wurde der erste Herren-Dreifachsieg seit fast zwei Jahren bereits in der Lufthansa-Maschine, die Raich, Reichelt und Co. von Denver aus zurück nach Europa brachte. Hier wird der Weltcup nun mit Ausnahme des einwöchigen Kanada-Trips im Februar weiter und zu Ende gehen. Mit im Gepäck hatte die Truppe von Toni Giger eine Amerika-Bilanz, die wie Balsam wirkte.

Zufriedene Rückkehr
Im Vorjahr bei Tiefkühl-Temperaturen erstmals sieglos, kehrte man diesmal nach zwei Siegen und sieben Podestplätzen in den insgesamt sechs Rennen in Lake Louise und Beaver Creek wesentlich zufriedener zurück in die Heimat. Alleine die Mini-WM in Beaver hatte - bei bis zu 30 Grad wärmeren Temperaturen - zwei Siege und insgesamt fünf Podestplätze gebracht. "Das als Aufwärtstrend zu bezeichnen, wäre eine glatte Untertreibung", meinte Giger. Vor allem der Triplesieg in der vergangene Saison von der Abschaffung bedroht gewesenen Disziplin Super-G begeisterte ihn. "Ein Traum, wie in den allerbesten Zeiten!"

Scheiber stuft die jüngsten Erfolge sogar höher ein als jene Serien- und Mehrfacherfolge wie den historischen Neunfach-Triumph 1998 am Patscherkofel, mit denen Österreichs Herren den Weltcup fast zu Tode gesiegt hatten. "Damals war Atomic allen anderen überlegen. Jetzt haben nicht nur viele Siegfahrer von damals aufgehört, sondern alle haben die gleichen Ski", meinte der Osttiroler, der jener neuen und jungen Skigeneration angehört, die wohl schon in diesem Winter um den Gesamtweltcup mitmischen wird.

Wie auch Scheibers Stams-Klassenkamerad und Weltcup-Leader Daniel Albrecht. "Ich war als erster auf dem Podest, er hat dafür gleich mit dem Siegen angefangen", musste Scheiber selbst schmunzeln.

Scheiber überreif für Sieg
Dass das ewig junge Ski-Ländermatch Österreich-Schweiz eine neue Auflage mit neuen Namen bekommt, taugt auch Scheiber. "Aber der Dani ist ein so sympathischer Kerl, dass ich ihm das gönne. Es ist doch super, wenn wir beide erfolgreich sind", kennt Scheiber keinen nationalen Kampf. Er selbst ist überreif für den ersten Weltcupsieg. "Ich war jetzt acht Mal auf dem Podest, davon sieben Mal ganz knapp. Wenn das alles zurückkommt, passts eh."

Vielleicht klappt es ja schon beim Heim-Riesentorlauf in Bad Kleinkirchheim. "Man kann so etwas nicht erzwingen und es ist sicher nicht so leicht, wie es vielleicht im Fernsehen ausschaut", bremste Scheiber. "Wichtig ist, dass wir jetzt nach den anstrengenden Amerika-Wochen regenerieren und Kräfte sammeln für Bad Kleinkirchheim."

(apa/red)

4.12.2007 11:55