Gedopter Winokurow beendet Profikarriere:
Kasache war für ein Jahr gesperrt worden
- Größter Erfolg: Dritter Platz bei Tour de France 2003
- Kasachischer Verband sperrte Volksheld nur ein Jahr

Trotz einer relativ milden Strafe hat Alexander Winokurow seinen Rücktritt vom Spitzensport erklärt. Der kasachische Radsportler, der am Vortag wegen Blutdopings rückwirkend mit einer einjährigen Sperre bis Juli 2008 belegt worden war, gab dies bei einer Pressekonferenz in Almaty bekannt.
"Das ist definitiv. Ich habe keine Lust mehr auf diesen Sport. Ich mache die Tür zu und gehe", meinte der Tour-de-France-Dritte 2003, der u.a. auch Olympia-Silber in Sydney gewonnen hat. Es sei traurig, dass er seine Karriere so beenden müsse, aber er werde seine Unschuld beweisen.
Der Anfang von Winokurows sportlichem Ende war am 24. Juli der Nachweis von Fremdblut-Doping bei der Tour de France. Daraufhin hatte das Team, u.a. mit dem Deutschen Andreas Klöden, die Tour verlassen und Winokurow suspendiert. Einen Tag nach Tour-Ende war auch Winokurows Landsmann Andrej Kaschetschkin in der Türkei des Dopings überführt worden. Für die kommende Saison wurde die Astana-Mannschaft unter Teamchef Johan Bruyneel neu aufgestellt und mit Tour-Sieger Alberto Contador (ESP) und Levi Leipheimer (USA) verstärkt.
Nun sperrte der kasachische Radsport-Verband seinen Star für ein Jahr - und das rückwirkend. Schon im August 2008 hätte Winokurow wieder wettbewerbsmäßig in die Pedale treten können. Das milde Urteil sorgte für einiges Erstaunen, weil in solchen Fällen doppelt so lange Sperren vorgesehen sind. "Ich glaube, dass mein Verband mir glauben wollte, aber unter starkem Druck des Weltverbands gestanden ist", sagte Winokurow.
Berufung wird überlegt
In der nächsten Woche werde er sich mit seinen Anwälten zusammensetzen und dann entscheiden, ob er Berufung gegen das Urteil einlegt oder nicht. "Wenn es eine Chance gibt, werde ich sie nützen, ansonsten werde ich nicht mein Geld für nichts hinauswerfen", kündigte er an.
Winokurow galt als Spektakelmacher. Die stets offensive Fahrweise brachte dem langjährigen Telekom-Fahrer zahlreiche Erfolge ein, stand ihm manchmal aber auch im Weg. 2003 gewann Winokurow die Tour de Suisse und das Gold Race, 2005 Lüttich - Bastogne - Lüttich und 2006 mit der Vuelta seine einzige dreiwöchige Rundfahrt. In der Tour de France 2003 belegte Winokurow den 3. Rang.
Volksheld in seiner Heimat
In seiner Heimat ist Winokurow ein Volksheld. Als sein damaliges Team Liberty Seguros im Zuge der Operacion Puerto vor eineinhalb Jahren den Sponsor und den Teamchef (Manolo Saiz) verlor, machten fünf kasachische Großkonzerne gemeinsame Sache, um das Nachfolge-Team Astana zu finanzieren. Nachdem Astana zur Tour de France 2006 nicht zugelassen worden war, weil zu viele Fahrer in den spanischen Dopingskandal verwickelt waren, sicherte sich Winokurow im Herbst den Gesamtsieg in der Vuelta.
Heuer fiel die von Marc Biver dirigierte Mannschaft wegen der Häufung positiver Testergebnisse negativ auf. Neben Winokurow und Kaschetschkin sorgten auch der Italiener Eddy Mazzoleni und der Deutsche Matthias Kessler für Doping-Schlagzeilen. Winokurow fabulierte bei seinem Abschied von einem Komplott: "Als wir die Mannschaft gründeten, sagte man uns, dass man uns Kasachen in Europa nicht wolle."
Und er schlug auch gleich in Richtung andere Sportarten zu. "Ich glaube nicht, dass der Radsport schmutziger ist als andere Sportarten. Wir, wir sind 150 Personen, wo sind die anderen? Wo ist das Tennis, wo ist der Fußball?"
(apa/red)
