Nordkorea bleibt Atominfos schuldig: Bush fordert Kim Jong-il nun persönlich dazu auf
- USA: "Glaubhafte Beweise" für waffenfähiges Uran
- Ultimatum aus technischen Gründen nicht einhaltbar?
·Vereinbarung beim Korea-Gipfeltreffen
Kernpunkte im Überblick:
Nord-Süd-Annäherung
·Stichwort: Atom- reaktor Yongbyon
Rückgrat der Kernwaffen- produktion Nordkoreas
US-Präsident George W. Bush hat den nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong-il in einem persönlichen Brief aufgefordert, seinen Verpflichtungen zur Offenlegung des Atomprogramms seines Landes nachzukommen. Das Schreiben, das auch an die anderen Länder der sogenannten Sechser-Gespräche gerichtet war, stellte die erste direkte Kommunikation zwischen Bush und Kim dar, wie der Sprecher des Weißen Hauses Gordon Johndroe mitteilte.
Nach Angaben von Südkoreas Außenminister Song Min-soon hält Pjöngjang möglicherweise die vereinbarte Frist vom 31. Dezember zur vollständigen Offenlegung des Atomprogramms nicht ein.
Der US-Sondergesandte Christopher Hill übergab Bushs Brief in dieser Woche dem nordkoreanischen Außenminister Pak Ui-chun, wie die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete. Hill war zu Gesprächen über die vollständige Offenlegung des Atomprogramms in Pjöngjang eingetroffen. Er besichtigte auch die Atomanlage in Yongbyon, die derzeit unter Aufsicht der USA zurückgebaut wird. Der US-Chefunterhändler reiste für das nordkoreanische Atomprogramm nach Peking weiter.
"Sixpack" bevorzugt
Weitere Empfänger des Schreibens waren laut Johndroe die Staats- und Regierungschefs von China, Russland, Japan und Südkorea, die zu erneuten Beratungen über das umstrittene Atomprogramm Pjöngjangs zusammengekommen waren. Bush habe darin auch erneut das Bekenntnis der USA zu den Sechser-Gesprächen betont sowie die Notwendigkeit, die Gespräche bald zu einem Ende zu bringen.
Nach Angaben von Südkoreas Außenminister Song sind die Verhandlungen an einem kritischen Punkt angelangt. "Wir stehen gerade an einer wichtigen Kreuzung: Es kann jetzt in Richtung einer stabilen Phase gehen oder auf einen steinigen Weg", sagte Song in Seoul. Was die Offenlegung angehe, seien noch keine Fortschritte erzielt worden. Laut einem südkoreanischen Regierungsmitglied besteht das Hauptproblem in der Weigerung Pjöngjangs, sein mutmaßliches Programm zur Urananreicherung für Waffen zur Zufriedenheit der USA darzustellen.
"Glaubhafte Beweise" vorhanden
Nach Angaben Hills verfügt Washington über "glaubhafte Beweise" dafür, dass Nordkorea Anlagen und Material gekauft hat, die für die Anreicherung waffenfähigen Urans verwendet werden können. Pjöngjang müsse darüber Rechenschaft ablegen, bevor die Errichtung diplomatischer Beziehungen zu den USA vorangetrieben werden. Die Urananreicherung sei ein sensibles Thema, über das es viele Diskussion zwischen beiden Seiten gegeben habe, fügte Hill hinzu.
Gute Zusammenarbeit
US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, Pjöngjang werde die Frist möglicherweise aus technischen Gründen nicht einhalten können. An unzureichender Zusammenarbeit liege es nicht - diese sei sehr gut, sagte Rice während ihres Flugs zu einem NATO-Treffen in Brüssel. Sie hoffe immer noch auf eine Offenlegung des Atomprogramms bis Ende des Jahres, die Nordkorea im Rahmen der sogenannten Sechser-Gespräche zugesagt hatte. Außerdem hatte die kommunistische Führung sich verpflichtet, die umstrittene Atomanlage Yongbyon stillzulegen. Als Gegenleistung soll das verarmte Land Energielieferungen im Wert von Hunderten Millionen Dollar erhalten. (apa/red)
