Freitag, 7. Dezember 2007

Dramatisches Bergwerksunglück in China: Grubenexplosion fordert über 100 Opfer

  • Minenbetreiber haben Unfall stundenlang verheimlicht
  • Pro Jahr sterben in Chinas Minen 5.000 Menschen

Die Zahl der Toten bei dem Grubenunglück in China hat sich weiter erhöht: Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, kamen bei der Gasexplosion in dem Kohlebergwerk in der Provinz Shanxi 105 Menschen ums Leben. Mittlerweile seien 26 weitere Leichen entdeckt worden. Rettungskräfte vermuteten demnach, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 120 Arbeiter in der Ruizhiyuan-Mine aufhielten. 15 von ihnen konnten sich in Sicherheit bringen. Laut China News Service nahmen die Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit der Explosion 33 Menschen in Gewahrsam. Gegen die Bergwerksbesitzer seien zudem Haftbefehle erlassen worden.

Die Sprecherin der chinesischen Behörde für Bergwerkssicherheit, An Yuanjie, sagte, es sei unklar, wie viele Bergleute sich noch unter Tage befänden. "Wir prüfen das." Laut An bestand jedoch wenig Hoffnung für mögliche weitere Eingeschlossene. "Die Überlebenschancen sind sehr gering, weil es eine Gasexplosion war", sagte sie. Ihre Angaben, wonach Rettungskräfte unter den möglichen Vermissten waren, konnte An nicht bekräftigen. Dies sei noch unklar, sagte sie.

Festnahmen
Xinhua berichtete, von den 33 Verdächtigen seien fünf offiziell festgenommen worden. In keinem der Medienberichte wurden nähere Angaben zur Identität der Verdächtigen und der Bergwerksbesitzer gemacht. In den staatlichen Medien wurden die Geschäftsführer des Bergwerks für das Unglück verantwortlich gemacht. Diese hätten ohne entsprechende Lizenz den Kohleabbau in einem nicht dafür vorgesehenen Gebiet zugelassen.

Verheimlicht
Nach dem Unglück sollen die Manager fünf Stunden gebraucht haben, bevor sie den Vorfall den Behörden meldeten. Zudem hätten die Verantwortlichen des Bergwerks eigene, nicht entsprechend ausgebildete Rettungskräfte ausgesandt. Dadurch sei unnötig viel Zeit verstrichen. "Sie schickten Rettungsteams in den Schacht, aber sie waren nicht professionell. Das hat das Unglück noch verschlimmert", sagte Behördensprecherin An.

Der Zeitung "Beijing News" zufolge errichtete die Polizei Straßensperren in der Umgebung des Bergwerks. Offenbar sollte so der Informationsfluss kontrolliert werden. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP wurden bei Anrufen bei Bewohnern der Region stets nach wenigen Minuten aus der Leitung geworfen.

Die chinesischen Bergwerke gelten als die gefährlichsten der Welt. Allein im vergangenen Jahr kamen nach amtlichen Angaben 4.700 Bergleute bei Unfällen ums Leben. Unabhängige Arbeiterorganisationen sprechen von fast 20.000 Todesfällen jedes Jahr. Im energiehungrigen China werden demnach Sicherheitsvorschriften oft einer größeren Produktion geopfert.
(apa/red)

7.12.2007 15:04