Mittwoch, 5. Dezember 2007

Mindestens 25 Tote: Anschlagsserie
überschattet Besuch von Gates im Irak

  • US-Verteidigungsminister will stabilen & sicheren Irak

Eine Serie von Bombenanschlägen hat einen vorher nicht angekündigten Besuch von US-Verteidigungsminister Robert Gates im Irak überschattet. Mindestens 25 Menschen wurden dabei getötet. Dessen ungeachtet erklärte Gates nach Gesprächen mit seinem irakischen Kollegen Abdul Kader al-Obeidi, nach seinem Dafürhalten sei "ein sicherer und stabiler Irak in Reichweite". Es müsse aber auch noch viel getan werden, um die Gewalt zu stoppen, sagte Gates und mahnte zur Geduld.

Der Minister verwies darauf, dass die Gewalt im Irak in den vergangenen Monaten insgesamt zurückgegangen sei. Dies habe zahlreiche Flüchtlinge dazu bewogen, in den Irak zurückzukehren. Auch hätten die Investitionen aus dem Ausland zugenommen. All das lasse die Hoffnung wachsen. Besorgt äußerte sich Gates hingegen über einen Anstieg der Gewalt im früher eher ruhigen Nordirak. Er sei aber erfreut zu hören, dass die irakischen Streitkräfte zurückschlügen.

Schwerster Anschlag in Stadtteil Karradah
Der schwerste Anschlag ereignete sich in dem größtenteils von Schiiten bewohnten Bagdader Stadtteil Karradah. Bei der Explosion einer Autobombe kamen dort nach Polizeiangaben mindestens 16 Menschen ums Leben, 28 wurden verletzt. Die Bombe im Zentrum der Hauptstadt detonierte kurz vor der Pressekonferenz von Gates und Obeidi.

Drei weitere Autobombenanschläge wurden in Bakuba, Kirkuk und Mossul verübt, wie die Polizei mitteilte. In Bakuba seien bei dem Angriff eines Selbstmordattentäters auf eine Bushaltestelle fünf Menschen getötet und 20 verletzt worden, in Kirkuk tötete eine in einem geparkten Auto versteckte Bombe drei kurdische Soldaten. Bei dem Anschlag in der nordirakischen Stadt Mossul wurde den Angaben zufolge eine Zivilperson getötet, sieben Menschen wurden verletzt.

Gates war zu seinem sechsten Besuch im Irak zunächst in Mossul gelandet und anschließend nach Bagdad weitergeflogen. Er beriet unter anderem mit Vertretern der Streitkräfte darüber, wie die nach einer Erhöhung der Truppenstärke im Irak erreichte Verringerung der Gewalt in den meisten Regionen des Landes nachhaltig gesichert werden kann.

Mehrere Gespräche am Programm
Auf dem Programm von Gates standen auch Gespräche mit dem Befehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, und dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Ein Brigade-Kommandant, Oberst Tony Thomas, sagte, er und andere Befehlshaber im Norden wünschten zusätzliche Truppen und die Rückkehr von 1.400 nach Bagdad verlegten irakischen Soldaten in problematische Gebiete wie die Provinzen Diyala, Mossul und Samara.

Das tschechische Parlament billigte unterdessen den weitgehenden Abzug der Truppen aus dem Irak. Die Regierung plant, 80 der 100 Soldaten Soldaten in der zweiten Hälfte kommenden Jahres zurückholen. Die tschechischen Soldaten sind im Südirak stationiert, wo sie mit der Bewachung britischer Einrichtungen betraut sind. Von 195 anwesenden Abgeordneten der 200 Parlamentarier zählenden Kammer stimmten 129 für den Antrag, 45 waren dagegen, 21 enthielten sich.

Außenminister Karel Schwarzenberg erklärte, 20 Soldaten würden zunächst noch im Irak bleiben, um irakische Soldaten auszubilden. Dies geschehe auf Bitte der Regierung in Bagdad. Das Mandat der 20 Soldaten laufe bis Ende nächsten Jahres.

(apa/red)

5.12.2007 18:18