Dienstag, 4. Dezember 2007

Österreichs Migranten in der Schule stark benachteiligt: Leseleistung deutlich schwach

  • Zweite Generation liest schlechter als die erste
  • Bessere Ergebnisse in Ländern wie Irland & Schweiz

Das österreichische Schulsystem "benachteiligt Jugendliche mit Migrationshintergrund sehr stark". Zu diesem Schluss kommt die OECD in ihrem Länderbericht zu Österreich. Migranten kämen nicht nur häufiger aus einem Elternhaus mit einem geringeren sozioökonomischen Status - der Leistungsabstand zu einheimischen Schülern ist über diesen sozioökonomischen Effekt hinaus "zudem deutlich höher als in anderen Ländern mit vergleichbarem Migrantenanteil". Besonders bedenklich: Die Leseleistung von Migrantenkindern, die bereits in Österreich geboren sind und ihre gesamte Schullaufbahn hier verbracht haben (2. Generation), ist unerwartet wesentlich schlechter als jene vom Migrantenkindern, die noch im Ausland geboren wurden (1. Generation).

Im Bereich Lesen erreichen die österreichischen Schüler insgesamt einen Mittelwert von 490 Punkten. "Einheimische" Kinder kommen auf einen Mittelwert von 499, Migranten der ersten Generation auf 451, Migranten der zweiten Generation auf 420. Damit wird zwar der Mittelwert insgesamt von den Migrantenkindern etwas nach unten gedrückt - selbst einheimische Schüler allein würden damit aber keinen signifikant besseren Platz bei PISA erreichen.

In Irland oder Australien läuft's besser
Dass es auch anders geht, zeigen Staaten wie Kanada, Neuseeland, Irland und Australien: Dort bestehen zwischen einheimischen und Migrantenkindern keine bzw. nur kleine Unterschiede in der Lese-Kompetenz. Die nationalen PISA-Experten vermuten, dass dies auf die "teils strengen Einwanderungsbestimmungen zurückzuführen ist und darauf, dass die Einwanderer im Allgemeinen bereits Kenntnisse der Landessprache aufweisen".

In Ländern wie Schweden, Estland und der Schweiz hat die zweite Migrantengeneration ein weitaus höheres Leseverständnis als die erste und schließt zu den Einheimischen auf. Die dritte (und größte) Gruppe an Ländern, in der sich auch Österreich befindet, ist durch weit geringere Leseleistungen der Migranten gegenüber Einheimischen gekennzeichnet. Das paradoxe Ergebnis, dass Einwanderer der zweiten Generation aber schlechter lesen als jene der ersten, ist außer in Österreich aber nur in Deutschland zu beobachten. Dies könne "ein Hinweis auf mangelnde Erfolge bei der sprachlichen Integration dieser Gruppe sein", so der nationale PISA-Bericht.

Migrantenanteil in Österreich durchschnittlich
Betrachtet man die Ergebnisse jener 21 OECD- oder EU-Länder mit einem Migrantenanteil von mehr als vier Prozent, zeigt sich, dass Österreich sowohl mit als auch ohne Migranten den 14. Platz unter diesen erreicht hätte. Innerhalb dieser Staaten ist der Migrantenanteil Österreichs mit etwa 13 Prozent etwa durchschnittlich - deutlich mehr weisen Luxemburg (37 Prozent), die Schweiz (23), Australien (22) sowie Neuseeland und Kanada (je 21) auf. (APA/red)

4.12.2007 14:21