Klassischer EU-Fight im NR-Jahresfinale: Strache fordert Reform-Volksabstimmung
- Grüne beruhigen: Bundesadler wird nicht Suppenhuhn
- Grüne: Dringliche Anfrage zum Thema Klimaschutz
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Eine klassische EU-Debatte haben sich die Abgeordneten zum Auftakt der Plenarwoche geliefert. In einer "Aktuelle Stunde" auf Antrag der FPÖ forderte deren Parteichef Heinz-Christian Strache einmal mehr eine Volksabstimmung über den Reformvertrag der Union ein. BZÖ-Obmann Peter Westenthaler beklagte die fehlende Mitbestimmung der Bürger. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer verteidigte den Reformvertrag ebenso wie Alt-Kanzler Wolfgang Schüssel und der Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen vehement. Die aktuell laufende Klima-Konferenz von Bali nehmen die Grünen außerdem zum Anlass für eine Dringliche Anfrage im Nationalrat.
Strache tönte in seiner Begründung der Aktuellen Stunde, dass der heutige "Kaiser" Europäische Union heiße, dem alle Parteien außer den Freiheitlichen dienten. Der Regierung attestierte der FP-Obmann, Volksherrschaft mit Volksbeherrschung zu verwechseln. Den Reformvertrag würde aus Sicht Straches kein normaler Bürger unterfertigen, sei durch ihn doch sogar das österreichische Wasser in Gefahr. Mehrfach dankte der FP-Chef der "Kronen Zeitung" namentlich für deren Kampagne gegen das "Brüsseler Diktat".
Gusenbauer: "Eingefrorene Posthorntöne"
Kanzler Gusenbauer sprach von "eingefrorenen Posthorntönen". Die FPÖ bringe die gleichen Argument vor wie beim Beitritt zur Union. Die Wahrheit sei aber, dass kein Land in der EU so von der Erweiterung profitiert habe wie Österreich, was eine bessere Beschäftigungslage und eine niedrigere Arbeitslosigkeit zur Folge habe. Nur weil einem an der EU etwas nicht passe, dürfe man nicht immer das Gesamtwerk in Frage stellen. Aber der FPÖ gehe es ohnehin nicht um Österreich sondern um kleinliche parteitaktische Interessen.
Cap würdigt Reformwerk der Union
SP-Klubchef Josef Cap würdigte bei "allem Respekt" vor der "Kronen Zeitung" und ihren "kritischen Artikeln" das Reformwerk der Union. Dieses garantiere, dass sich Österreich nichts aus Russland, den USA oder China diktieren lassen müsse.
Sein VP-Pendant Schüssel konzedierte, dass in der Union nicht alles perfekt sei, durch den Reformvertrag werde aber vieles besser. So würden zum ersten Mal die Ziele des Klimaschutzes verbindlich festgelegt. Zudem werde eine bessere Daseinsvorsorge - Stichwort Wasser - gesichert und eine gemeinsame Energiepolitik ermöglicht. Nationale oder gar regionale Volksabstimmungen lehnte der Altkanzler ebenso wie die SPÖ-Redner ab und warb für europäische Volksabstimmungen, die dereinst auch kommen würden.
Außenministerin Ursula Plassnik nannte den Reformvertrag schlicht eine Anpassung der Regeln, nach denen die EU funktioniere. Der Vertrag bringt mehr Demokratie etwa durch die Stärkung des Europäischen Parlaments, mehr Klarheit und mehr Sicherheit.
Grüne: Bundesadler wird schon nicht zum Suppenhuhn
Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen versicherte den Freiheitlichen, dass der österreichische Bundesadler schon erhalten bleibe und nicht zum Suppenhuhn werde. Im Gegensatz zu den Vorstellungen der FPÖ geht er davon aus, dass Österreich sich sehr wohl leichter tue als das Nicht-Mitglied Schweiz, nicht bei Einzelfragen wie dem Verkehr, aber insgesamt schon: "In Summe würde ich nie tauschen wollen mit der Rolle der Schweiz."
Westenthaler vermisst Mitbestimmung
BZÖ-Chef Peter Westenthaler beklagte, dass auch beim jetzigen Reformvertrag keine Mitbestimmung der Menschen zugelassen werde. Vorwürfe bezüglich einer zu kritischen Haltung des Bündnisses wies er zurück. Denn die besseren Europäer seien die, die auch das Kritische aufzeigten und ein Europa der Völker zuließen als jene, die nur ein Europa der Bürokraten und Zentralisten wollten. Gleichzeitig kündigte Westenthaler Initiativen im Inland an, konkret für einen Teuerungsausgleich, mit dem Haushalten mit einem Einkommen unter 3.000 Euro 200 Euro zur Verfügung gestellt werden sollten.
Grüne: Dringliche Anfrage zum Klimaschutz
Die aktuell laufende Klima-Konferenz von Bali nehmen die Grünen zum Anlass für eine Dringliche Anfrage im Nationalrat. Allerdings werden nicht Antworten von Umweltminister Josef Pröll in Sachen negative Kyoto-Bilanz verlangt, sondern von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer persönlich. Er soll unter anderem darüber Auskunft geben, welcher Betrag für den Zukauf von CO2-Zertifikaten budgetiert ist.
Die Grünen gehen davon aus, dass zumindest zwei Milliarden, wohl aber 2,5 Milliarden Euro notwendig sein werden, um sich von den eingegangen Klimaverpflichtungen freizukaufen. Dieses Geld würde aber dringend für die Bildungs- und Sozialpolitik sowie für Umweltmaßnahmen im Inland benötigt, argumentierte die Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig in der Begründung der Anfrage. Dass es zu den Strafzahlungen kommt, ist für die Grünen einzig Schuld der falschen Regierungspolitik. Denn angesichts des umgebremsten Wachstums in den Bereichen Verkehr und Stromverbrauch und den "lächerlichen" Maßnahmen der Regierung mit der "verwässerten" Reform der Normverbrauchsabgabe und dem "katastrophalen" Ökostromgesetz sei es äußerst unwahrscheinlich, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt würden.
(apa/red)
