Hoffen auf den großen Schnee: FORMAT über die Profiteure einer kalten Wintersaison
- Wer neben Tourismus und Gastronomie noch zittert
- Winterlust statt Regenfrust bei heimischer Wirtschaft
·"Tirol muss wieder Kneissl-Land werden"
FORMAT: Die Pläne zu neuen Ski-Höhenflügen
·Skiliftkartenpreise erneut angestiegen
Durchschnittliche Ver- teuerung um 1,5 Prozent
·Händler-Kassen in Skiregionen klingeln
Russischer Geldadel liebt Shoppen und Skifahren
·Die Skibranche hofft auf fleißige Frau Holle
FORMAT: Schneemangel 06/07 brachte minus 20%

Heuer herrscht in der Wirtschaft - zumindest vorläufig - Winterlust statt Regenfrust. Früher Schnee, ein weißer Ski-Weltcup-Auftakt in Sölden (der im vergangenen Jahr wegen Schneemangels abgesagt werden musste) und die frühzeitige Eröffnung der Skigebiete (Mitte statt Ende November) schürt jetzt die Hoffnung auf üppige Winterumsätze, was die Wetterprognosen bestätigen. Auswirkungen davon konstatiert etwa Sepp Schellhorn, Gastronom und Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, bereits: "Jetzt passt das Umfeld. Die Leute entscheiden sich sehr oft kurzfristig, und es sind meist reine Bauchentscheidungen."
Von den Skiherstellern über den Sportfachhandel bis zu Autozubehörketten, den Salinen (Streusalz) und dem Modehandel profitieren zahlreiche Branchen, wenn sich die Quecksilbersäule des Außenthermometers der Null-Grad-Grenze nähert oder sogar darunter fällt.
Paradoxerweise jubeln sogar die Hersteller von Schneekanonen über die weiße Pracht, die, statt aus vollen Rohren zu schießen, vom Himmel fällt. "Wenn die Lifthersteller gut verdienen, investieren sie in unsere Produkte", erklärt Anders Rydelius, Geschäftsführer von Sufag-Schneekanonen. Dass die Beschneiungsanlagen angesichts des unaufhaltsamen Klimawandels wieder gebraucht werden, ist den Liftbetreibern trotz aller Flockeneuphorie klar. "Sie nützen jetzt die Ge- legenheit, sich von den Launen des Wetters unabhängig zu machen", sagt Rydelius.
Sportartikelhandel einer der größten Schneeprofiteure
Ernst Aichinger, Gremialvorstand in der Wirtschaftskammer, kann den Schneeeffekt auch schon in Zahlen ausdrücken. Schon bis Jahresende rechnet er mit fünf Prozent Umsatzplus. Bleibt der Winter so kalt, würde sich das seiner Einschätzung nach in den ersten drei Monaten 2008 in gleicher Höhe auf die Bilanzen niederschlagen - was für die Branche 660 Millionen Euro Quartalsumsatz bedeuten würde.
Auch Intersport-Chefin Gabriele Fenninger reibt sich genüsslich die kalten Hände. Sie hat den Begriff "Winternachhaltigkeit" in ihre Bilanzprognostik aufgenommen. "Wenn er nachhaltig ist, erwarten wir fünf Prozent Umsatzplus."
Noch optimistischer ist Hervis-Chef Alfred Eichblatt. Der gute Saisonstart wird Hervis 25 Prozent an Mehreinnahmen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bescheren, schätzt er. Dennoch sorgen auch er und Fenninger für eine wärmere Zukunft vor: "Wir müssen unser Ganzjahressortiment ausbauen, um von Skiern unabhängiger zu werden."
Schnee? Nix wie weg!
Der kalte Winter fördert indes auch die Fluchttendenzen der Schneemuffel. So veweist das Verkehrsbüro auf eine gute Buchungslage bei Fernreisen. Trips in warme Gefilde ab Jahresbeginn 2008 liegen schon 17 Prozent über dem Vergleichszeitraum von heuer. Das Plus für November und Dezember 2007 mache auch schon 5 Prozent aus, erklärt Martin Bachlechner, Verkehrsbüro-Touristik-Vorstand. Vor allem Reisen nach Ägypten, Mauritius, Malediven und Kuba boomen.
Neben dem Schneekanonen-Boom trotz Winterpracht hat die Wirtschaft noch ein zweites Paradoxon zu bieten. Schneeräumbetriebe wie Attensam verdienen in Zeiten des Schneegestöbers weniger als in aperen Wintern. Sie nehmen Pauschalen, und wenn es fürs gleiche Geld mehr zu tun gibt, drückt das auf die Rendite. Der heftige Saisonstart war laut Oliver Attensam trotzdem "wichtig und gut fürs Geschäft": Neuaufträge häufen sich.
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