Donnerstag, 29. November 2007

"Forum Impfschutz" will besseres System:
Die finanzielle Barrieren sollen bald fallen

  • Verbesserte Kinder- und Erwachsenenimpfungen
  • E-Card soll Infos über Immunisierungen enthalten

Bei den Kinderimpfungen fehlt laut Experten in Österreich derzeit die Aufnahme der generellen Immunisierung der Babys gegen die potenziell lebensgefährlichen Pneumokokken-Infektionen und die HPV-Impfung zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs. Doch auch bei den Erwachsenen und Senioren gäbe es noch einiges zu tun.

Ein in Wien präsentiertes "Forum Impfschutz" mit zahlreichen Fachleuten forderte ausreichende Durchimpfungsraten, die Beseitigung von finanziellen Barrieren, die E-Card als Informationsträger über absolvierte Impfungen und eine verpflichtende Fortbildung für Ärzte.

Viele Krankheiten wurden durch Impfung ausgerottet
"Impfungen sind das Beste, was die Medizin zu bieten hat. Zu den Krankheiten, die schon seit längerem mit Impfungen verhindert werden können, zählen Tollwut, Hepatitis A/B und viele Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Diphtherie. Einige Krankheiten sind jungen Menschen kaum noch ein Begriff, weil sie durch die Impfung ausgerottet wurden. Seit kurzem stehen auch Impfungen gegen das Humane Papillomavirus (HPV), Herpes zoster und das Rotavirus zur Verfügung, während sich zahlreiche andere Impfstoffe in der Pipeline befinden", sagte der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze.

Manche Impfungen sind kaum noch erschwinglich
Bei den Preisen mancher Impfstoffe auf Konsumentenseite komme jedoch die Frage auf, ob Impfungen heute überhaupt noch erschwinglich sind. Und zwar für all jene, die von der Impfung auch profitieren. Immerhin stehe außer Zweifel, dass eine wirksame Impfung auch all jenen zur Verfügung gestellt werden soll, denen sie hilft.

Prävention von Krankheiten
Kunze: "Die Finanzierung von Impfungen ist grundsätzlich auch eine Verteilungsfrage. Wie viel ist uns die Prävention von Krankheiten wert im Vergleich zu Straßenbau oder Landwirtschaft? Können wir es uns leisten zu sagen 'Diese Impfung können wir uns nicht leisten?' Sind ethisch politische Entscheidungen nicht eher maßgeblich, wenn es um die Gesundheit der Österreicher geht, als Kosten-Nutzen-Rechnungen?"

Impfstatus auf der E-Card
"Viele Menschen wissen nicht, wie es um ihren Impfstatus steht", erklärte der Innsbrucker Hygieniker Manfred Dierich. Hier wäre die E-Card das ideale Mittel, den Impfstatus bei jedem Arztbesuch überprüfen zu lassen. Das sollte auch in die Elektronische Gesundheitsakte ELGA eingebaut werden.

Verpflichtende Fortbildung der Ärzte
60 Prozent der Impfungen werden in Österreich durch die Hausärzte verabreicht. Um hier die Information und die Motivationstätigkeit unter den Medizinern zu fördern, sei eine verpflichtende Fortbildung auf diesem Gebiet notwendig, verlangte schließlich der steirische Experte Ingomar Mutz, mehrfach Vorsitzender des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates.
(apa/red)

29.11.2007 12:40