Montag, 26. November 2007

Alarmierende Zahlen zum Welt-Aids-Tag: Mehr als 500 Neuinfektionen im Jahr 2007!

  • Aids-Hilfe: Rekordwert wurde zuletzt 1993 erreicht
  • Kritik an Bundesregierung: Mehr Einsatz gefordert

In Österreich steigt die Zahl der HIV-Neuinfektionen wieder an. Für 2007 erwartet die Aids Hilfe Wien erstmals seit langem mehr als 500 Fälle, das sind plus 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr (442 Infektionen). "Zuletzt wurden 1993 mehr als 500 Neuinfektionen verzeichnet", so Obmann Dennis Beck. Österreichweit tragen geschätzte 12.000 bis 15.000 Menschen das Virus in sich.

Die Aids Hilfe hat die Zahlen für die ersten drei Quartale hochgerechnet: Im Jahr 2007 waren es in diesem Zeitraum 385 neue Ansteckungen, 2006 nur 328. Zwei Drittel aller Infizierten sind laut Beck Männer, 42 Prozent der Ansteckungen erfolgten im Vorjahr über heterosexuelle Kontakte (1998 waren es 27 Prozent). 28,6 Prozent der Infektionen mit dem HI-Virus entstanden bei homosexuellen Kontakten, 20,5 Prozent über intravenösen Drogenkonsum.

Fast 1.500 Aids-Tote
Von 1983 bis November 2007 sind 2.573 Menschen in Österreich an Aids erkrankt, davon sind 1.449 verstorben. Damit gibt es derzeit 1.124 Aids-Patienten. Fast die Hälfte der Erkrankungen (47,84 Prozent) entfielen auf Wien, zu 79,1 Prozent waren Männer betroffen.

Am 1. Dezember, wird zum 20. Mal der Internationale Welt-Aids-Tag begangen, gleichzeitig feiert das Wiener Aids Hilfe Haus sein zehnjähriges Jubiläum. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) dankte aus diesem Anlass Beck und Life-Ball-Organisator Gery Keszler für die Arbeit: "Mit ihrer Hilfe ist es gelungen, das Thema HIV und Aids ein Stück weit aus der Tabuzone zu holen."

Man sei zwar auf dem Weg, Aids zur chronischen, behandelbaren Krankheit zu machen, so Beck. "Die Medizin hat es geschafft, dass immer Weniger an Aids sterben. Aber jeder einzelne hat mit sozialem Aids zu kämpfen." Er verwies auf Diskriminierungen Erkrankter und erinnerte daran, dass jeder 500. Österreicher das HI-Virus in sich trage.

"Red Ribbon" am Rathaus
Keszler hoffte beim Thema HIV/Aids auch abseits des glamourösen Life-Balls auf Medieninteresse. Gemeinsam mit Beck, Wehsely und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (S) hisste er an der Rathaus-Fassade ein mehrere Meter hohes "Red Ribbon".

Weltweit zwei Millionen Tote pro Jahr
Die Immunschwächekrankheit Aids fordert jährlich mehr Opfer als Wien Einwohner hat. Darauf machte das Österreichische Aktionsbündnis gegen HIV/Aids aufmerksam. Im Jahr 2007 haben sich laut UNAIDS weltweit 2,5 Millionen Menschen neu mit dem Virus angesteckt. "Der umfassende Zugang zu Prävention, Behandlung, Medikamenten und Pflege für alle von HIV/Aids-Betroffenen ist trotz intensiver Bemühungen noch immer Illusion", kritisierte das Aktionsbündnis.

Trotz preiswerter antiretroviraler Medikamente und internationaler Finanzierungsmechanismen zur Bekämpfung von HIV/Aids würden die Zusagen von Politik und Pharmaindustrie nicht ausreichen. Das Aktionsbündnis fordert anlässlich des Welt-Aids-Tages von der österreichischen Politik einen "stärkeren politischen wie finanziellen Einsatz" im Kampf gegen die Krankheit - auch auf internationaler Ebene.

Kritik an Bundesregierung
"Nach wie vor stellt die Bundesregierung über ihre indirekten Leistungen durch die EU-Kommission hinaus keine eigenen Budgetmittel für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zur Verfügung", hieß es in einer Aussendung. Das Aktionsbündnis vermisse auch "eine ressortübergreifend abgestimmte Strategie, um den vielfältigen Herausforderungen durch die Pandemie zu begegnen".

Das Österreichische Aktionsbündnis gegen HIV/Aids, dem nach eigenen Angaben mehr als 40 österreichische Nichtregierungsorganisationen angehören, hat sich zur Aufgabe gesetzt, hierzulande ein stärkeres Bewusstsein über die nationale und internationale Dimension von HIV/Aids zu verankern.

(apa/red)

26.11.2007 13:08