Silberstreif am Bildungs-Horizont? Im PISA- Test besser und doch kein Grund zum Jubeln
- Österreich unter OECD-Staaten von Platz 20 auf 12
- Parteien bezweifeln Wissenschaftlichkeit des Tests
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OECD: Hochschulzugang auch soziale Komponente
Keinen großen Jubel haben die verbesserten Ergebnisse der österreichischen Schüler im Naturwissenschafts-Teil der jüngsten PISA-Studie ausgelöst. Einen Tag nach der Veröffentlichung der Daten in einer spanischen Lehrer-Zeitung hat die OECD die Zahlen offiziell bestätigt: Demnach landeten die heimischen 15-bzw. 16-jährigen Schüler im Haupttestgebiet Naturwissenschaften mit einem Mittelwert von 511 Punkten signifikant über dem OECD-Schnitt insgesamt auf Platz 18 bzw. unter den OECD-Ländern auf Platz zwölf - 2003 wurde nur ein Platz unter dem OECD-Schnitt erreicht. Trotzdem fielen die Reaktionen in Österreich nur verhalten aus.
Berücksichtigt man die statistischen Schwankungsbreiten, landete Österreich 2006 laut OECD zwischen Rang zwölf und 21 insgesamt bzw. auf Platz acht bis 15 der OECD-Länder. Das würde einem besseren Wert entsprechen als bei der Erhebung 2003, als die Naturwissenschaften allerdings nur als Nebendomäne abgefragt wurden - deshalb sind die Zahlen nach Angaben der OECD auch nicht direkt vergelichbar. 2003 hatte Österreich noch 491 Punkte erreicht und war damit unter dem OECD-Schnitt geblieben. Dies entsprach damals insgesamt Platz 23 bzw. Platz 20 unter den OECD-Staaten (mit Schwankungsbreite: 17. bis 30. Platz insgesamt bzw. 16. bis 23. Platz in der OECD).
Finnlands Schüler erneut deutlich vorn
Überlegener Sieger mit einem Mittelwert von 563 Punkten wurde auch heuer Finnland, das sämtliche anderen Staaten deutlich distanzierte: Dahinter platzierten sich Hongkong (542), Kanada (534), Taiwan (532), Estland (531), Japan (531), Neuseeland (530), Australien (527), die Niederlande (525) und Liechtenstein bzw. Südkorea (je 522). Deutschland kam auf Platz 13 (516). Bei PISA 2006 beteiligten sich mit 57 Staaten wesentlich mehr als bei PISA 2003 (40) - auch deshalb sind die einzelnen Rangplätze nur eingeschränkt vergleichbar. Gewinner sind aber jedenfalls Kanada, Dänemark, Österreich und Deutschland, Verlierer dagegen Südkorea, Macao, Frankreich, die Slowakei und Russland.
Parteien wollen sich nicht so richtig freuen
Wirklich ins Konzept passten die jüngsten Ergebnisse offenbar keiner Partei: Die SPÖ, die unter anderem mit PISA zahlreiche Reformvorhaben begründete, sah "Anlass für eine gewisse Erleichterung, aber sicher nicht für Jubel". Für Bildungssprecher Erwin Niederwieser muss daher "der Reformzug auf Schiene bleiben". Auch die ÖVP konnte sich nur gedämpft freuen, zog sie doch die PISA-Ergebnisse seit jeher in Zweifel - Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte sogar deren Ergebnisse nachrechnen lassen. Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek meinte einerseits, "dass der bildungspolitische Kurs der ÖVP in den vergangenen Jahren kein schlechtes Zeugnis ausgestellt bekommt". Andererseits hielt sie ihre Kritik an PISA aufrecht. Für den Grünen Bildungssprecher Dieter Brosz bestätigen die Ergebnisse "das Mittelmaß des österreichischen Schulsystems", BZÖ-Wissenschaftssprecher Gernot Darmann hält "die Wissenschaftlichkeit dieser PISA-Studie für nur begrenzt gegeben".
Bei der von der OECD organisierten PISA-Studie für 15- bis 16-jährige Schüler werden alle drei Jahre die Kompetenzen in drei Gebieten abgefragt: Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, wobei jedes Mal eine andere Disziplin die Hauptdomäne mit den meisten Aufgaben ist. Die offiziellen Ergebnisse der 2006 durchgeführten jüngsten Studie werden am 4. Dezember präsentiert - spätestens dann werden auch die Resultate für Lesen und Mathematik vorliegen. (APA/red)
