Montag, 26. November 2007

Zwettler tritt aus Elsners Schatten: Ex- BAWAG-Vorstand gibt Teil-Geständnis ab

  • Erklärung sorgte für Knalleffekt im BAWAG-Prozess

Mit seinem im BAWAG-Prozess abgelegten Teil-Geständnis ist Johann Zwettler wohl endgültig aus dem Schatten seines früheren langjährigen Chefs und Mentors, Helmut Elsner, herausgetreten. Der ehemalige BAWAG-Vorstand und BAWAG-Generaldirektor Zwettler bekannte sich in einigen Anklagepunkten der Untreue und Bilanzfälschung schuldig.

Damit ist Zwettler der bisher erste und einzige der neun Angeklagten, der sich zumindest teilweise schuldig im Sinne der Anklage bekennt. "Mutig" nannte ein Prozessbeobachter diesen Schritt. Mit seinem Befreiungsschlag hat Zwettler, für den es mit Fortschreiten der Hauptverhandlung wohl immer düsterer aussah, versucht seine Lage zu verbessern, denn ein Geständnis gilt - im Falle einer Verurteilung - als Strafmilderungsgrund.

BAWAG-Urgestein
Der Diplomkaufmann Johann Zwettler (geboren am 27. September 1941) ist "BAWAG-Urgestein", er arbeitete seit 1968 in der Gewerkschaftsbank. Lange Zeit war Zwettler im Beteiligungsbereich tätig, im Mai 1995 wurde er unter dem neuen BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner in den Vorstand berufen. Dort war Zwettler für Rechnungswesen, Controlling, Beteiligungen und für Teile des Treasury zuständig. Zwettler galt als enger Vertrauter Elsners. Im Mai 2003 wurde er dessen Nachfolger und übernahm als Vorstandsvorsitzender die Führung der Gewerkschaftsbank. Nach nicht einmal drei Jahren legte er sein Amt als Generaldirektor per 1. Jänner 2006 zurück und übergab es an Ewald Nowotny.

Der "Anfang vom Ende" war für Zwettler der Blitz-Kredit über 350 Mio. Euro an den US-Broker Refco, den der damalige BAWAG-Vorstand im Eilverfahren über ein Wochenende im Oktober 2005 bewilligt hatte. Als der Kredit mit dem Zusammenbruch Refcos notleidend wurde, gerieten bald immer mehr Details über verlustreiche Karibik-Geschäfte der Bank an die Öffentlichkeit. Zwettler musste seinen Hut nehmen - und steht seit Juli 2007 vor Gericht.

Finanzen offengelegt
Vor dem Schöffengericht musste der frühere Bank-Generaldirektor zu Prozessbeginn seine Finanzen offenlegen. Als Pensionist beziehe er jetzt 1.800 Euro netto, sonst habe er keine Einkünfte. Sein Vermögen bezifferte er mit rund 500.000 Euro, die in Investmentfonds veranlagt seien, und rund 200.000 Euro in bar. "Ich habe ein Haus in Floridsdorf", gab Zwettler vor Gericht zu seinen Wohnverhältnissen an - und stach schon damit vom bis zu seiner Verhaftung in einem Penthouse in der Wiener Innenstadt und einer Villa in Südfrankreich logierenden Helmut Elsner deutlich ab.

Als "bodenständiger und aufrechter Charakter" bezeichnete sich Zwettler heute in seinem Teilgeständnis - bodenständig und eher gemütlich war jedenfalls durchaus der Eindruck, den der untersetzte, schnauzbärtige Wiener für viele Beobachter während des bisherigen Prozesses vermittelte. Sein Fehlverhalten tue ihm sehr leid, unterstrich Zwettler, als er heute mit bebenden Worten und zitternden Händen seine vorbereitete Erklärung ablas. Ein Ausdruck der Reue, der bisher im Prozess von Seite der Angeklagten nicht zu hören war: "Mein Motto war 'Augen zu und durch'. Das bedaure ich unendlich". Als "Kämpfernatur" von früher Jugend an habe er eben immer versucht sich durchzukämpfen, verantwortlich für sein Verhalten sei aber auch der autoritäre Führungsstil von Elsner gewesen, versuchte Zwettler heute sein Verhalten zu erklären.

Abstand zu Elsner vergrößert
Seit Beginn des Prozesses sitzt Zwettler mit Elsner gemeinsam auf einer Anklagebank - allerdings jeder an einem anderen Ende. In der Mitte zwischen beiden ehemaligen Bank-Generaldirektoren auf der Anklagebank hat Wolfgang Flöttl Platz genommen. Das Geständnis hat den Raum zwischen dem geständigen und offen Reue zeigenden Zwettler und dem oft vergesslichen und die Verantwortung bei anderen suchenden Elsner noch weiter vergrößert.

(apa/red)

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26.11.2007 14:51