Job-Boom in Österreich: Arbeitslosigkeit
sinkt um 3,5 % gegenüber November 2006
- Vorarlberg verzeichnet höchste Beschäftigungsquote
- Bartenstein: 'Wir nähern uns der Vollbeschäftigung'
Einziger Wehrmutstropfen: Mehr ältere Arbeitslose

·Ausländerinnen sind
'doppelt benachteiligt'
Bericht: Öfters arbeitslos und von Armut betroffen
·EU: Engagement für
Jugendbeschäftigung
Erste Maßnahme: Keine
Billig-Praktikanten mehr
·Politik konnte unsere
Sorgen nicht nehmen
Größte Bedenken wegen Jugendarbeitslosigkeit
·Deutschland: Wieder weniger Arbeitslose
Arbeitsmarkt profitiert von Wirtschaftswachstum
·AK: Noch langer Weg zur Vollbeschäftigung
Trotz Konjunturhoch 15.000 ohne Lehrstelle
·FORMAT über den Glücksfaktor Arbeit
Warum Job-Zufriedenheit ein erfülltes Leben bringt
·EU rechnet 2008 mit Beschäftigungs-Plus
Arbeitslosigkeit heuer auf 7,2 Prozent gesunken
Die Arbeitslosigkeit in Österreich sank im November das 21. Monat in Folge. Ende November 2007 waren 223.610 vorgemerkte Arbeitssuchende registriert, das waren um 3,5 Prozent bzw. 8.136 Personen weniger als im November des Vorjahres. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stieg um 2,7 Prozent auf 33.280. Die Zahl der Schulungsteilnehmer ging um 13 Prozent (8.036) auf 53.778 Personen zurück. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten lag Ende November laut Prognose des Wirtschaftsministeriums bei 3,356.000 - um 1,6 Prozent (53.000) über dem Wert des Vorjahres.
Während es bei den Frauen einen starken Rückgang der Arbeitslosigkeit gab (minus 5,5 Prozent zu minus 1,6 Prozent bei den Männern), stieg die Zahl der älteren Arbeitslosen (50 plus) leicht um 1,1 Prozent an. Eine de facto Stagnation der Arbeitslosigkeit war bei den Ausländern zu verzeichnen, wo per Ende November die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen um 0,1 Prozent (57 Personen) auf 42.542 Personen geringfügig stieg. Bei Inländern sank die Zahl der Arbeitslosen hingegen um 4,3 Prozent (8.193) auf 181.068 Personen.
Beschäftigungs-Plus in allen Bundesländern
In allen Bundesländern war eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt zu verzeichnen, regional gab es jedoch große Unterschiede. Besonders stark fiel der Rückgang der vorgemerkten Arbeitssuchenden im November in Vorarlberg (-9,5 Prozent) und in Salzburg (-9,4 Prozent) aus. In Wien wurden um 4,6 Prozent weniger Arbeitssuchende registriert, in Kärnten um 2,0 Prozent. In der Steiermark fiel der Rückgang mit 0,2 Prozent am geringsten aus. Das teilte das Arbeits- und Wirtschaftsministerium am Samstag mit.
Bartenstein zeigt sich zufrieden
Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein zeigte sich mit den jüngsten Zahlen zufrieden. "Wir nähern uns Schritt für Schritt der Vollbeschäftigung", so der Minister im Gespräch mit der APA. Einziger "Ausreißer nach unten" sei die Entwicklung am Bau-Arbeitsmarkt, wo nach dem "Nicht-Winter" im Vorjahr heuer die Saisonarbeitslosigkeit relativ früh eingesetzt habe. Das sei aber vorübergehend und werde sich im Frühjahr 2008 wieder normalisieren, erwartet Bartenstein. Im Bauwesen waren Ende November 27.460 Personen arbeitslos, um 3,8 Prozent (1.015) mehr als im Vorjahr.
Das Kontingent der Fachkräfteverordnung sei für heuer mit 800 ausreichend, bisher seien 670 zusätzliche Fachkräfte im Land. In der Fachkräfte-Verordnung für 2008 werde die Zahl der Berufe deutlich aufgestockt, und zwar von bisher drei (Schweißer, Dreher und Fräser) auf über 50 Berufe, avisierte der Minister. Dies geschehe nach den Vorschlägen der Sozialpartner. Für das Jahr 2008 erwartet Bartenstein einen zusätzlichen Bedarf von 6.000 bis 7.000 zusätzlichen Fachkräften, der aber nur zu einem kleinen Teil durch Fachkräfte aus den neuen Mitgliedsstaaten gedeckt werde.
Arbeiterkammer: Mehr Fachkräfte
Die Arbeiterkammer (AK) forderte heute einmal mehr die gute wirtschaftliche Lage zu nutzen, um die Facharbeiterausbildung stärker voranzutreiben. Keine Entspannung sieht AK-Präsident Herbert Tumpel auf dem Lehrstellenmarkt: "Für die nächsten drei Jahre brauchen wir bis zu 17.000 zusätzliche Plätze. "Die Regierung muss noch mehr tun und vor allem Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen forcieren, um die Nachfrage nach Fachkräften befriedigen zu können", betonte auch ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske .
Die ÖVP verwies heute auf einen zehnprozentigen Anstieg bei den offenen Lehrstellen und sieht sich als "treibende Kraft" der Entwicklung am Arbeitsmarkt, so ÖVP-Wirtschaftssprecher Reinhold Mitterlehner. Auch die SPÖ reklamierte den Rückgang für sich. Sozialsprecherin Renate Csörgits: "Damit zeigen sich erste Früchte der SPÖ-Schwerpunktsetzung bei den Regierungsverhandlungen und in der Regierungsarbeit". Zum Rückgang bei der Frauenarbeitslosigkeit merkte sie an: "Es ist zwar hoch erfreulich, dass die Arbeitslosigkeit bei den Frauen zurückgeht - und zwar sogar stärker als bei den Männern - hier gilt es aber, sich genau anzusehen, welche Arbeitsverhältnisse das sind. Und die bisherige Erfahrung zeigt, dass es sich zu einem überwiegenden Teil um Teilzeitbeschäftigungen handelt - mit allen negativen Konsequenzen, die damit verbunden sind."
Wenig Grund zur Freude sieht die FPÖ. Sozialsprecher Herbert Kickl verwies auf die Situation älterer Arbeitnehmer. Insgesamt sei der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit auf eine gute Konjunktur zurückzuführen. (APA/red)

