Freitag, 30. November 2007

Hitzige Debatte um Sonntagsfrage: Sollen Geschäfte offen haben dürfen oder nicht?

  • Billa-Entscheidung für 8.12. löst breite Diskussion aus
  • FORMAT-Info: Eine Million muss am Sonntag arbeiten

Billa hält mitten im Weihnachtsstress die Uhren an und macht am 8. Dezember, einem samstägigen Feiertag, dicht. Kirche und Gewerkschaft jubeln, andere stellen die Sonntagsauszeiten komplett infrage.

Ungeteilte Zustimmung erhält das Billa-Management jedenfalls von den 16.600 Mitarbeitern, die in den vergangenen Jahren zum Synonym für billige Arbeitskräfte geworden waren, die meist als Teilzeitkraft an der Supermarkt-Kassa bei hohem Arbeitseinsatz und niedrigem Lohn arbeiten müssen. Steckt also hinter der Entscheidung von Billa, sich mitten im Weihnachtskaufrausch aus dem Konsumspiel zu nehmen, tatsächlich nur ein billiger PR-Gag?

Gesellschaftliches Signal?
Billa-Vorstand Volker Hornsteiner vermittelt jedenfalls im FORMAT-Interview den Eindruck, dass er diesen Schritt auch als gesellschaftliches Signal verstanden wissen will: "Würden wir diese Aktion aus Imagegründen machen, hätte es mit Sicherheit billigere Möglichkeiten gegeben." Hornsteiner weiter: "Es ist nicht notwendig, diesem Konsumtempo unserer Gesellschaft immer nachzugeben. Man braucht nicht alle drei Monate ein neues Handy oder einen neuen CD-Player. Es ist wichtig, auch Ruhezonen zu haben."

Kirche fordert konsumfreie Zeiten
Und diese Ruhezonen im Form von Sonn- und Feiertagen sollte es eben nicht nur für die Mitarbeiter von Unternehmen geben, heißt es bei der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien. Auch für die konsumfreudige Bevölkerung müssten konsumfreie Zonen und Zeiten erhalten bleiben, damit Menschen ihren sozialen, kulturellen, politischen oder religiösen Aktivitäten nachgehen zu können.

Über eine Million arbeitet am Sonntag
Fakt ist aber, dass 2006 mehr als eine Million Menschen an Sonntagen arbeiten musste. Das betrifft Branchen wie das Hotel- und Gastgewerbe, die Land- und Forstwirtschaft, Gesundheitsberufe, aber auch Verkehrs- und Medienunternehmen (siehe auch Grafik).

SCS fordert Sonntagsöffnung
Geht es nach einzelnen Stimmen in der Wirtschaft, sollen in Zukunft auch die großen Handelsriesen an Sonntagen geöffnet halten dürfen. Vor allem der Chef des größten Einkaufszentrums Europas, der Shopping City Süd, Maurizio Totta, fordert eine Teilöffnung am Sonntag. Jüngst meinte Totta gegenüber NEWS, dass zumindest an den vier Sonntagen in der Adventzeit offen gehalten werden sollte. "Das restliche Jahr über wollen wir einen offenen Sonntag pro Monat."

Immer offene Geschäfte zur EM
Aber nicht nur das anstehende Weihnachtsgeschäft bringt neuen Schwung in die Diskussion um die Sonntagsöffnung. Auch die Fußball-Europameisterschaft in Österreich im Juni 2008 wirft bereits ihre Schatten voraus: Wirtschaftskammer und ÖGB haben sich darauf geeinigt, dass an den vier Sonntagen während der Fußball-Europameisterschaft an den Spielorten Wien, Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg die Handelsbetriebe offen halten können.

Die ganze Story lesen Sie in FORMAT Nr. 48/07!

30.11.2007 15:42