ÖBB-Deal mit Güterverkehr in Ungarn: 1. Übernahme von Auslands-Bahn steht bevor
- ÖBB-Tochter RCA kann Mitkonkurrenten ausstechen
- Zum finalen "Closing" können noch Monate vergehen
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Die ÖBB stehen vor ihrer ersten Übernahme einer ausländischen Bahn. Wie die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) mitteilte, hat die Privatisierungsbehörde in Budapest den Verkauf des Güterverkehrs der ungarischen Bahn, MAV Cargo, an die RCA und ihren Partner, die Raab-Ödenburger-Eisenbahn (RoEE) empfohlen. RCA und RoEE hätten sich im Bieterverfahren gegen die Konkurrenten als Bestbieter durchgesetzt, hieß es.
Offiziell ist der Verkauf damit noch nicht. Die Mitbewerber können Einspruch einlegen. Außerdem fehlt noch die Zustimmung der ungarischen Kartellbehörde und vor allem der Sanctus der ungarischen Regierung. Bis zum "Closing" des Privatisierungsverfahrens könnten daher noch einige Monate vergehen, so die ÖBB.
RCA und RoEE wollen MAV Cargo für 102,5 Mrd. Forint (399 Mio. Euro) übernehmen. Ungarns scheidender Wirtschafts- und Verkehrsminister Janos Koka bestätigte, dass das österreichische Konsortium damit das höchste Angebot abgegeben habe. Die MAV werde nun mit RCA und RoEE in die Endverhandlungen gehen, so der Minister.
Angebot der ÖBB klar vorne
In der letzten Bieterrunde waren neben den ÖBB noch zwei Bieter im Rennen gewesen: Ein Konsortium um die slowakischen Gesellschaften Spedtrans und Slavia Capital, das laut Koka, 86 Mrd. Forint geboten hat und eine Gruppe namens Cargo Central Europe aus amerikanischen und britischen Finanzinvestoren - sie hätten allerdings nur 57 Mrd. Forint auf den Tisch gelegt.
ÖBB und Raaberbahn hatten erst vor wenigen Tagen ihr Angebot noch einmal verdoppelt. Die Raaberbahn als Partner hat den ÖBB laut Beobachtern noch einmal zusätzliche Vorteile verschafft. An dem Unternehmen sind die Republik Ungarn zu 57,4 Prozent, die Republik Österreich zu 36,4 Prozent und die RCA via Speditions Holding zu 6,2 Prozent beteiligt.
Von MOL-OMV-Krise überschattet
Belastet worden waren die ungarisch-österreichischen Beziehungen jedoch zuletzt durch einen Streit um den Kauf des bereits privatisierten ungarischen Ölkonzerns MOL durch die OMV. Nach Offenlegung der Übernahmepläne der OMV hat das ungarische Parlament ein Gesetz erlassen, durch das die Übernahme blockiert wird.
Ausnahmslos positiv bewerten jedenfalls die ersten Presseberichte in Budapest den Sieg der ÖBB. Eine Online-Zeitung geht sogar soweit, dass sie sich besonders über das Tenderergebnis freut, weil die Transportgesellschaft der MAV auf diese Weise "schließlich Ungarn verkauft wird".
Güterexpansion um 50 Prozent
Sollte den ÖBB die Übernahme der MAV-Cargo gelingen, vergrößert sie ihr Gütertransportvolumen um etwa die Hälfte. Laut ÖBB hat die MAV Cargo im Vorjahr 46,8 Mio. Tonnen transportiert. Die ÖBB kamen auf 93 Mio. Tonnen. Den Wagenbestand würden die ÖBB durch den Zusammenschluss auf 26.000 Güterwaggons verdoppeln.
Umgesetzt hat die MAV Cargo mit 3.170 Mitarbeitern zuletzt im Vorjahr rund 371 Mio. Euro und dabei einem Vorsteuergewinn von 2,8 Mrd. Forint (10,90 Mio. Euro) erzielt. Die Rail Cargo Austria kam mit 8.237 Mitarbeitern auf 2,25 Mrd. Euro Umsatz und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 42,6 Mio. Euro.
Die Rail Cargo Austria verfügt über die Speditions Holding bereits über ein großflächiges Logistik-Netz in Osteuropa. Insgesamt ist das Unternehmen in 23 Ländern Europas aktiv. Einige der zahlreichen Tochterfirmen, etwa die Intercontainer Austria oder die Ökombi, führen auch schon Züge quer durch Europa. Der Eisenbahn-Güterverkehr eines ganzes Landes stand bisher aber noch nicht auf der ÖBB-Beteiligungsliste.
ZSSK-Übernahme knapp gescheitert
2006 wären die ÖBB beinahe beim Güterverkehr der slowakischen Bahn ZSSK, der Cargo Slovakia, zum Zug gekommen. Auch dort war die RCA mit einem Gebot von umgerechnet 351 Mio. Euro Bestbieter gewesen. Nach einem Machtwechsel hat die neue Regierung in Bratislava unter Premier Robert Fico die Privatisierung jedoch in letzter Minute wieder gestoppt. (apa/red)

