Ewig erfolgloser Spagat: Niederlande bleibt bei Großereignissen nur der Schönheitspreis
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Spielerische Eleganz, eintrainierte Ballstafetten, technische Gustostückerl - aber auch interne Streitigkeiten, schwache Nerven im Elferschießen und das harte Los des ewigen Geheimfavoriten. Bei den Oranjes gehen beinahe traditionell die Extreme auseinander. Seit Jahrzehnten versucht eine Generation nach der anderen den Spagat zwischen attraktiver und effektiver Spielweise erfolgreich zu gestalten. Nur einmal gelang es: Beim Gewinn der Europameisterschaft 1988 in Deutschland. Dem ersten und bislang einzigen Titel der Verbandsgeschichte.
Die Blütezeit erlebten die Niederländer in den 70er Jahren. Zunächst entwickelte sich auf Vereinsebene eine neue Fußball-Philosophie: "Totaal Voetbal". Schon in den 60er Jahren gab es Bestrebungen die starren taktischen Positionen innerhalb einer Mannschaft aufzuweichen.
Doch erst in den 70ern wurde dies durch den damals relativ jungen Trainer Rinus Michels perfektioniert. Er führte bei Ajax Amsterdam ein System ein, in dem jeder Spieler während eines Spiels alle Positionen ausfüllen konnte. Dazu kam das erstmals angewandte konsequente frühe Angreifen (Forechecking) und eine junge Generation von Spielern, die außergewöhnliche technische und taktische Fähigkeiten besaßen, allen voran Johan Cruyff.
Erfolgsfunke springt nicht auf Nationalelf über
Die internationalen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam sorgten in Europa für Furore. Damals galt, auch dank der Triumphe der Klubs, das traditionell in Orange einlaufende Team als spielerisch stärkste Mannschaft der Welt.
Im Gegensatz zur Vereinsebene stellte sich bei der nationalen Auswahl der erhoffte Erfolg in Form eines Titels allerdings nicht ein. Im WM-Finale 1974 mussten sich die Westeuropäer ebenso wie 1978, damals unter dem österreicherischen Trainer Ernst Happel, den Turnierveranstaltern Deutschland bzw. Argentinien geschlagen geben. Die EM 1976 in Jugoslawien beendete man als Dritter.
Triumph bei EM 1988
Nachdem die bis dato erfolgreichste Generation ihre Karriere beendet hatte, gelang den Holländern erst unter Rinus Michels das Comeback im Konzert der Großen. Bei der EM 1988 in Deutschland holte sich die "Elftal" um die spätere AC-Milan-Achse Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten den Pokal. Der nunmehrige Bondscoach Van Basten ging mit einem Volley-Traumtor beim 2:0-Finalsieg gegen die Sowjetunion in die Geschichtsbücher ein.
Zuletzt scheiterte das immer wieder als Favorit gehandelte Team fast durchgehend an der Nervenschwäche im Elferschießen. Bei der EM 1992 im Halbfinale gegen Dänemark, bei der EM 1996 im Viertelfinale gegen Frankreich, bei der WM 1998 im Halbfinale gegen Brasilien und bei der EM 2000 im eigenen Land im Halbfinale gegen Italien. Diese Negativserie wurde erst bei der EM 2004 im Viertelfinale gegen Schweden beendet. Das Halbfinale ging jedoch gegen Gastgeber Portugal verloren, der Titel am Ende wieder an ein anderes Team.
(apa/red)
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