29.11.2007 16:55

Die "Equipe Tricolore": Von den Wirren
der Frühzeit zum einheitsstiftenden Band

  • Porträt: Geschichte des französischen Fußballbundes
  • PLUS: Steckbrief und die größten Stars des Landes

Frankreich ist eine multikulturelle Nation, ein Erbe der Kolonialzeit. Als einheitsstiftendes Band zwischen den zahlreichen kulturellen und ethischen Gruppen fungiert mittlerweile die französische Nationalmannschaft: Die "Equipe Tricolore".

Der Durchbruch des Fußballs zu einem Massenphänomen und damit zu einem identitätsstiftenden Faktor vollzog sich in Frankreich allerdings später als in den meisten anderen europäischen Ländern. Lange Zeit kämpfte er um Anerkennung, hatte Mühe, sich gegen das populärere Rugby durchzusetzen. Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg lagen Rugby, Boule, Petanque und der Radsport in der Gunst der Franzosen voran.

Komplizierte Anfänge
Die Anfänge des französischen Fußballs waren kompliziert und in ihrer Entstehung eine Besonderheit. Dabei ist der frühe kosmopolitische Charakter des Fußballs, der es ermöglichte, aus den Kolonien stammende Spieler zu integrieren, hervorzuheben.

Der moderne Fußball entwickelte sich in Frankreich erst um 1900 auf breiter Basis. Das Geschehen konzentrierte sich dabei auf Paris, den schwerindustriellen Norden, die Normandie und einige südfranzösische Städte wie Marseille, oder Nimes. In den Anfangsjahren regierte Vielfalt statt Einheit.

Der erste französische Sportverband war die 1887 gegründete Union des Societes Francaises de Sports Athletiques (USFSA). 1894 führte die USFSA eine erste "nationale Meisterrunde" durch. Um das von Briten dominierte Spiel auch für Franzosen interessanter zu machen, veranstaltete sie ab 1897 einen zweiten Wettbewerb an der nur Mannschaften teilnahmen, in denen maximal drei Ausländer spielten. 1898 wurde schließlich ein Championnat de France eingeführt.

Neben der USFSA existierten aber noch zahlreiche andere Verbände, wie die katholische Federation Gymnastique et Sportive des Patronages Francais (FGSPF), die Federation Cycliste et Athletique de France (FCAF), die Ligue de Football Association (LFA) und die Federation Athletique Amateur (FAA). Zusätzlich gab es, wenn auch nur für kurze Dauer, Organisationen, die Spiele zwischen Berufsfußballern austrugen.

Vier Meister in einem Jahr
Um die Verwirrung zu vervollständigen, gründeten der katholische Verband FGSPF und weitere kleine Verbände als übergeordneten und gemeinsamen Dachverband das Comite Francais Interfederal (CFI), der sich vehement gegen den bezahlten Sport aussprach und 1908 anstelle der USFSA in den internationalen Fußballverband FIFA aufgenommen wurde. Erst1913 trat auch die USFSA dem CFI bei. Da einzelne Verbände aber nach wie vor eigenständige Meisterschaften austrugen gab es am Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu vier französische Meister in einem Jahr.

Zwar wurde mitten im Ersten Weltkrieg ein landesweiter Pokalwettbewerb geschaffen, an dem Vereine aller Verbände teilnehmen durften, aber selbst unter dem am 7. April 1919 gegründeten einheitlichen Französischen Fußballverband (FFFA, später FFF) dauerte es noch bis in die 30er-Jahre, ehe auch eine gleichwertige Meisterschaft ausgespielt wurde.

Bis heute hängt das Interesse der Franzosen am Fußball stark von den Leistungen der Mannschaften auf internationaler Ebene ab. In den 1950ern kam es zu einer ersten Blüte, als Stade de Reims bis ins Finale des Europapokals der Landesmeister vorstieß. Danach flaute das Interesse allerdings ab, um mit den Erfolgen Saint-Etiennes im Europapokal der Landesmeister in den 70ern wieder aufzuflackern. Dieser Popularitätsschub baute die Brücke zu den starken Auftritten der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien und dem Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1984 im eigenen Land. Anschließend sackte die Euphorie wieder ab, erstarkte jedoch mit dem Erfolg von Olympique Marseille Anfang der 1990er und ist seit den Titelgewinnen bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 ungebrochen stark.

(red)

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29.11.2007 16:55
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