Montag, 26. November 2007

Brasilien macht sich Sorgen um sein Image:
Tribüneneinsturz weckt Zweifel an WM 2014

  • Minister: "Unser Image bleibt wohl länger angekratzt"
  • Risikopotenzial des Unflücksstadions war bekannt

Nach dem Stadionunglück, dessen Opferzahl auf sieben Tote und 30 Verletzte korrigiert wurde, hat in Brasilien nicht nur große Trauer Einzug gehalten. Bereits am Tag nach der Tragödie fragten erste Kritiker, ob das Land wirklich in der Lage sein werde, die Fußball-WM 2014 auszurichten. "Wir werden aus diesem Prozess sicher nicht schadlos hervorgehen, unser Image bleibt wohl länger angekratzt", räumte der Sport- und Arbeitsminister des betroffenen Bundesstaates Bahia, Nilton Vasconcelos, ein.

Das Nachrichtenportal G1 prangerte in Anspielung auf den Zustand der brasilianischen Stadien scharf an: "Das war eine angekündigte Tragödie."

Das Unglück geschah im Stadion Fonte Nova in Salvador im nordwestlichen Bundesstaat Bahia. Dutzende Menschen stürzten wenige Minuten nach dem Abpfiff der Begegnung zwischen Bahia und Vila Nova etwa 40 m Meter in die Tiefe, als die Tribüne unter den Fans, die den Aufstieg ihres Heimteams in die zweite Liga feierten, zusammenbrach. Sechs Menschen waren sofort tot, ein weiteres Opfer erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Währenddessen wurden noch rund 20 Verletzte in Kliniken behandelt.

"Das war wie die Hölle auf Erden, die schrecklichen Szenen habe ich immer noch immer wieder vor Augen", meinte der 16-jährige Augenzeuge Paulo Barreto. Die Tragödie habe sich wie bei einem Erdbeben angekündigt, erzählte der Fan. "Es hat alles eine Ewigkeit lang gezittert, viele haben vor dem Einsturz geheult, und wir sind alle wild umhergelaufen und haben uns gegenseitig zur Seite geschoben. Plötzlich überall Blut und die regungslosen Menschen am Boden", erzählte er.

Gefahr des Stadions war bekannt
Das Stadion Fonte Nova ist eines der traditionsreichsten Brasiliens, zugleich aber nach Berichten von Ingenieurverbänden auch das gefährlichste des südamerikanischen Landes. "Wir wussten, dass sich in den vergangenen Monaten sogar Betonteile der Tribünen gelöst hatten", verriet Minister Vasconcelos.

Salvador galt bisher als einer der aussichtsreichsten Bewerber um die Austragung von Spielen während der WM 2014. Der städtische Sportbeauftragte Raimundo Nonato wies Berichte über Statikprobleme zurück, obwohl eine Staatsanwältin 2006 aus Sicherheitsgründen eine Sperre des Stadions beantragt hatte. "Menschen ohne Eintrittskarten haben nach dem Schlusspfiff Eingangstore zerstört und sind wild ins Stadion eingedrungen, die Polizei konnte nichts machen. Deshalb geschah die Tragödie", erklärte Nonato. Das Stadion soll für unbestimmte Zeit gesperrt werden.

(apa/red)

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26.11.2007 16:34