Montag, 3. Dezember 2007

Riesentorlauf der Herren in Beaver Creek:
Daniel Albrecht mit dem 2. Sieg - Matt 2.

  • Schweizer nach der Super-Kombi wieder ganz oben
  • Nur 5 Hundertstel fehlen dem Österreicher auf Platz 1

Der Schweizer Daniel Albrecht hat drei Tage nach der Superkombi und nur 70 Minuten nach dem Super-G-Sieg von Landsfrau Martina Schild in Kanada in Beaver Creek auch den Riesentorlauf gewonnen. Der 24-Jährige siegte allerdings nur 0,05 Sek. vor dem österreichischen Slalom-Weltmeister Mario Matt, der erstmals in dieser Disziplin auf das Podest fuhr. Halbzeit-Leader Didier Cuche (+0,11) wurde Dritter, Benjamin Raich fiel vom dritten noch auf den achten Platz zurück.

Bei den ÖSV-Herren jubelte man vor allem über eine gewaltige Mannschaftsleistung. Gleich sieben Läufer kamen in der zuletzt schwächten Disziplin unter die Top-15, Hannes Reichelt (7.), Raich (8.) und der mit Schmerztabletten fahrende Christoph Gruber (10.) schafften es sogar in die Top Ten. "Das zeigt, dass wir aktuell die beste Riesentorlauf-Mannschaft haben. Die Burschen haben heute das Herz in die Hand genommen und attackiert. Das ist wirklich erfrischend, vor allem weil Mario trotz vier Fehler so schnell war", freute sich Herrenchef Toni Giger.

Einen Tag nach der wetterbedingten Verschiebung des Super-G auf Montag wurde der Riesentorlauf in Beaver Creek nach einem Temperatursturz auf minus zehn Grad und bei Prachtwetter zu einem spannenden Derby. Als erster verabschiedet sich allerdings Bode Miller aus dem Favoritenkreis. Der US-Star, der am Vorabend bis Mitternacht Party gemacht hatte, schied schon nach 45 Sek. aus und verließ wortlos das Gelände.

Palander flog auf die Nase
Auf dem vom österreichischen Finnland-Trainer Christian Leitner zwangsweise sehr schnell und direkt gesetzten Lauf fiel dann ausgerechnet dessen Schützling Kalle Palander in der flachsten Passage auf die Nase. Den flotten Lauf nutzte Abfahrts-Weltcupsieger Didier Cuche zur Halbzeit-Pole vor Vorjahressieger Max Blardone und Raich, der mit dem direkten Kurs keine große Freude hatte. Zudem verpatzte der Tiroler den Übergang ins Flache, "dort war es dann bretteleben."

Dem Pitzaler wäre ein drehender Kurs natürlich lieber gewesen, er freute sich aber auch für das Team. Raich: "Wichtig war der Podestplatz für die Mannschaft. Ich habe eigentlich keine Fehler gemacht, aber bin halt nicht optimal gefahren. Es ist alles so eng beieinander."

Im zweiten Durchgang entschied die kniffelige Einfahrt in den Zielhang über den Ausgang. Den erwischte Jungstar Albrecht geradezu perfekt. Drei Tage nachdem er für den ersten Kombi-Sieg der Schweiz seit 15 Jahren gesorgt hatte, stürmte er mit Laufbestzeit von Platz elf noch zum Sieg und beendete die dreijährige Sieglosigkeit der Schweizer im Riesentorlauf.

Cuche übernimmt Weltcup-Gesamtführung
"Ich habe derzeit wirklich ein gutes Gefühl", sagte Kombi-Weltmeister Albrecht. Cuche tröstete sich mit der Übernahme der Weltcup-Gesamtführung, damit sind die Schweizer Herren derzeit absolut tonangebend.

Österreichs Herren lieferten dafür ausgerechnet in der "Krisenzone" Riesentorlauf die mannschaftlich beste Leistung seit langem ab. Selbst Hermann Maier war mit Rang 14 absolut zufrieden. "Dafür, dass ich fast keinen Riesentorlauf trainiert habe, war das echt gut. Ich habe nur dort verloren, wo die Piste weich war", sagte der Salzburger, der sich im Ziel auf den schmerzenden Rücken griff. "Ich habe eine Torstange zu heftig erwischt, sie hat mich dafür gegeißelt", scherzte Maier,

Matt jubelte über seine mit Abstand beste Riesentorlauf-Platzierung, davor war Rang elf seine beste gewesen. "Dass ich auch im Riesentorlauf schnell bin, weiß ich schon länger. Heute ist endlich mal alles aufgegangen.", sagte der 28-jährige Flirscher, der im Ziel aber lange nicht an diese Top-Platzierung geglaubt hatte. "So viele Fehler. Ich hätte nicht gedacht, dass das für das Podium reicht", gestand Matt.

Endstand:
1.Daniel AlbrechtSUI2:24,30 Min.
2.Mario MattAUT+0,05
3.Didier CucheSUI+0,11
4.Massimiliano BlardoneITA+0,15
.Ted LigetyUSA+0,15
6.John KuceraCAN+0,21
7.Hannes ReicheltAUT+0,49
8.Benjamin RaichAUT+0,56
9.Francois BourqueCAN+0,58
10.Christoph GruberAUT+0,60
.Thomas FanaraFRA+0,60
12.Manfred MölggITA+0,73
13.Mario ScheiberAUT+0,77
14.Hermann MaierAUT+1,09
15.Peter FillITA+1,10
.Stephan GörglAUT+1,10
17.Marcus SandellFIN+1,12
18.Carlo JankaSUI+1,13
19.Joel ChenalFRA+1,18
20.Davide SimoncelliITA+1,21
21.Erik SchlopyUSA+1,24
22.Ales GorzaSLO+1,35
23.Truls Ove KarlsenNOR+1,43
24.Cyprien RichardFRA+1,66
25.Alessandro RobertoITA+1,67
26.Niklas RainerSWE+1,86
27.Markus LarssonSWE+1,99
28.Raphael BurtinFRA+3,65
ohne Weltcup-Punkte (zu großer Rückstand):
29.Alberto SchieppatiITA+19,56

(apa/red)

3.12.2007 07:28