Freitag, 30. November 2007

Generationswechsel im alpinen Ski-Zirkus?
Young Guns lassen Altstars im Regen stehen

  • ÖSV-Herren bei neuer Altersgruppe nur Statisten
  • Österreichs Star-Team immer noch ohne Saisonsieg

Bei der Leistungsschau einer neuen Ski-Generation haben Österreichs Herren in Beaver Creek nur eine Nebenrolle gespielt. Der 24-jährige Weltmeister Daniel Albrecht aus der Schweiz gewann zum Auftakt der Mini-WM auf amerikanischem Kunstschnee die Super-Kombination vor dem 23-jährigen Franzosen Jean-Baptiste Grange und dem tschechischen Außenseiter Ondrej Bank.

Das war das Ergebnis des ersten Rennens, bei dem der verletzte Weltcup-Titelverteidiger Aksel Svindal nicht dabei war. Während bei den ÖSV-Herren aber selbst die ohnehin nicht mehr zu den jüngsten zählende Nachfolge-Generation ausließ, nutzten Grange, vor allem aber der Tscheche Bank die Gunst der Stunde. Grange hat mit WM-Bronze im Slalom schon bewiesen, was er drauf hat. Bank ist zwar schon 28, für einen tschechischen Ski-Exoten gelten aber andere Maßstäbe.

"Ich hoffe, dass Skifahren jetzt durch mich in Tschechien wirklich populär wird", strahlte Bank nach seinem ersten Podiumsplatz. Zwar hat sein Land seit vergangenem Februar mit Sarka Zharobska eine Slalom-Weltmeisterin, "aber ihr Vater ist ein bisschen eigen", bezweifelte Bank, dass deshalb ein Ski-Hype in Tschechien ausgebrochen wäre.

Finanziert durch die Familie
Bank sorgte für die mit Abstand beste Weltcup-Platzierung eines Tschechen seit der Trennung von der Slowakei. Und das, obwohl er mit einem Verbandsbudget von 1.500 Euro auskommen muss. "Den Rest zahlen Sponsoren und meine Familie", erklärte Bank, der eher aus Zufall zum Skifahrer und nicht zum Eishockeyspieler geworden ist, von seinem Bruder Tomas betreut wird und sich die Slalom-Ski vor der Kombi selbst gewachselt hatte. 10.743 Dollar (7.289 Euro) Preisgeld kamen da gerade recht.

Am wenigsten überraschte der Sieg von Albrecht. Der Schweizer Jungstar holte sich neun Monate nach Gold in Aare auch seinen ersten Weltcup-Sieg und schenkte zudem der Schweiz damit den ersten Kombisieg seit Wengen 1992 (Paul Accola). Albrecht ist in der vom Österreicher Sepp Brunner gecoachten Gruppe zusammen mit den anderen jungen Schweizern groß geworden und gilt intern längst als kommender Weltcupsieger.

Albrecht Gesamtweltcup-Kandidat?
Dabei ist die aktuelle Saison nur eine Art "Probelauf" für den Schweizer, der sich diesen Winter vorgenommen hat, nur so zu zu tun, als ob er um den Gesamtweltcup kämpfen würde. "Einfach um mich an den Gedanken zu gewöhnen", sagte Albrecht, der sich aber womöglich schneller als gedacht in der Rolle eines ernsthaften Anwärters wiederfinden wird.

Ganz will es der hoch talentierte Schweizer, der auch von ÖSV-Coach Andreas Evers gelobt wurde ("Keiner fährt die Kurven auf der Abfahrt so wie er") aber noch nicht wahrhaben. "Die Rennen hier in Beaver liegen mir einfach" relativierte Albrecht. Was wirklich geht, werden wir erst in Europa sehen", sagte der Schweizer. "Für den Gesamt-Weltcup muss man in drei Disziplinen gewinnen können. Das kommt für mich einfach noch zu früh. Jetzt gleich Seriensiege zu erwarten, wäre überheblich."

Keine Fehler des ÖSV
Im ÖSV-Herrenlager ist man sich mittlerweile bewusst, dass die Uhren endgültig anders ticken. "Ich vergesse schon nicht, dass wir noch immer keinen Sieg haben", sagte Cheftrainer Toni Giger. Fehler seien aber nicht gemacht worden. "Wir haben uns auf diese Saison gut vorbereitet."

(apa/red)

30.11.2007 12:14