Donnerstag, 29. November 2007

Raich bedauert Ausfall des Konkurrenten:
Svindal-Out ist "schade für ganzen Weltcup"

  • Weltcup beginnt nach Sturz des Gesamt-Leaders neu
  • Raich: "Muss kämpfen, als ob Svindal dabei wäre"

Der alpine Skiweltcup der Herren hat mit einem Schlag ein neues Bild bekommen. Der in Überform fahrende Weltcup-Führende Aksel Lund Svindal fällt nach seinem schweren Sturz im Abfahrtstraining von Beaver Creek so lange aus, dass er seinen Titel vermutlich nicht mehr erfolgreich verteidigen können wird. Damit wird der Österreicher Benjamin Raich, der sich Svindal im vergangenen Winter erst im letzten Rennen und um 13 Punkte geschlagen geben hatte müssen, zum Topfavoriten auf den Gewinn der großen Kristallkugel.

Aber der nach vier Rennen 68 Punkte hinter Svindal zurückliegende Tiroler trat sofort auf die Bremse. "Entschieden ist der Weltcup deshalb auf keinen Fall. Erstens weiß niemand, wie lange Aksel wirklich weg ist. Und zweitens gibt es sehr viele Andere, die stark sind. Ich muss kämpfen, als ob Svindal weiter dabei wäre", sagte Raich, nachdem ihm das ganze Ausmaß der Verletzungen des zweifachen Saisonsiegers bekanntgeworden war.

Überraschendes Malheur
Das Malheur des Norwegers überraschte, weil der bullige Modellathlet bis zu seinem Crash im Abfahrtstraining von Beaver Creek noch stärker gefahren war als in der Vorsaison, in der er Raich erst im letzten Saisonrennen die große Kristallkugel hauchdünn weggeschnappt hatte. Augenzeugen seines Sturzes rätselten, wie Svindal mit derartiger Rücklage den 50 Meter weit tragenden Eagle- Sprung angehen konnte.

Nur die körperliche Konstitution des austrainierten "Riesen", der vor Beaver zwei der vier Saisonrennen gewonnen hatte, bewahrten Svindal vor noch schwereren Verletzungen. Selbst Raich rätselte. "Normalerweise macht man mit viel Selbstvertrauen am wenigsten Fehler. Man sieht also, dass immer etwas schiefgehen kann."

Svindal musste vorerst in der Intensivstation der Hawkins-Steadman-Klinik von Vail bleiben. Das hatte aber nicht nur mit seinen Knochenbrüchen im Gesicht und der tiefen Schnittverletzung im Gesäß zu tun. Vielmehr sollte der Patient dadurch auch abgeschirmt werden.

Unbestimmte Dauer des Fernbleibens
Trotz der Verletzungen wird der beste Allrounder der Gegenwart aber schon bald nach Norwegen zurückkehren. Den Rennpisten muss Doppelweltmeister Svindal aber wohl auch noch im Dezember fernbleiben. Wie lange genau er fehlt, konnte man im Lager der Norsker noch nicht sagen.

Abgesagt wurde nach dem Sturz Svindals auch der in Beaver Creek geplant gewesene, gemeinsame Sponsor-Auftritt mit Tennis-Star Andre Agassi. Agassi wird aber zum Weltcup kommen und bei der Siegerehrung der Superkombination Preise (Longines Uhren) überreichen.

Raich selbst konnte das Ausmaß der Verletzungen des Norwegers natürlich sehr gut einschätzen. Der Pitztaler selbst ist in seiner Karriere bisher aber weitgehend von schweren Verletzungen verschont geblieben, obwohl er ein ähnlich intensives Programm wie Svindal absolviert. Während der Marathon-Mann aus Norwegen vergangenen Winter in allen Rennen gestartet war, hatte Raich aber den einen oder anderen Bewerb ausgelassen. So etwa auch die Spezialabfahrt in Beaver Creek. Zudem nimmt sich Raich oft im Speed-Training eher zurück.

"Dass er ausfällt, ist schade für den gesamten Weltcup. Speziell aber natürlich für ihn", sagte Raich. "Ich kann ihm nur gute Besserung wünschen und habe ihm das über seinen Trainer auch ausrichten lassen", betonte der Tiroler Mittwochfrüh (Ortszeit) nach dem Slalomtraining in Beaver Creek, das er anstelle des wegen Schneefalls abgesagten Abfahrtstrainings eingelegt hatte.

"Schade für den gesamten Skisport"
Auch Michael Walchhofer bedauerte den Ausfall von Svindal. "Das ist schade für den gesamten Skisport. Er hat uns zwar zuletzt viele Siege weggeschnappt, aber das hat den Sport eher interessanter gemacht", meinte der Salzburger. Walchhofer war selbst in Lake Louise beim Einfahren für den Super G hauchdünn an einer schweren Verletzung vorbeigeschrammt, als er mit 100 km/h nur Zentimeter an einer Schneekanone vorbeigestürzt war.

"In der Abfahrt kann eben immer viel passieren, da ist immer ein gewisses Risiko dabei", weiß der Speed-Spezialist aus Zauchensee besser als kein anderer. Walchhofer hatte im Training zweimal fahren müssen, weil Svindal unmittelbar vor ihm gestürzt war. "Das ist natürlich nicht förderlich, wenn du oben hörst, dass es unten so viele aufhaut", gestand Familienvater Walchhofer, der an sich den Vorfall von Kanada ("Ich hätte tot sein können") aufarbeiten wollte. "Gottseidank hatte ich dann trotzdem eine halbwegs gute Fahrt."

Walchhofer bezweifelt Alleingang Raichs
Auch Walchhofer glaubt nicht, dass jetzt alles für Raich läuft. "Man könnte zwar glauben, dass jetzt alles leichter wird für Benni. Aber da gibt es nicht nur einen Miller oder Schweizer wie Didier Cuche, Daniel Albrecht und Marc Berthod. Der Dezember wird zeigen, wer alles um den Weltcup mitmischen wird."
(apa/red)

29.11.2007 11:25