Montag, 26. November 2007

Fast "Doppel"-Sieg für Raich & Schild: Ski- Paar knapp an gemeinsamem Erfolg vorbei

  • Slalom-Queen Schild will Siege auch in der Abfahrt
  • Schild führt im Gesamtweltcup 53 Punkte vor Karbon

Sie waren nur 200 Kilometer voneinander entfernt, das schnellste Pärchen des Ski-Wochenendes, und hätten fast erstmals an einem Tag gemeinsam gesiegt. Dennoch ging sich in Kanada nicht einmal eine flüchtige Begegnung zwischen Benni Raich und Marlies Schild aus. Während Schild in Panorama noch ihren 15. Slalom-Sieg bejubelte, war Freund Benjamin schon unterwegs von Lake Louise nach Calgary, um dort den Flieger nach Denver zu erreichen.

Denn in Colorado geht es diese Woche für die Herren mit der "Mini-WM" in Beaver Creek weiter. Und bei 68 Punkten Rückstand auf Aksel Svindal tut Raich gut daran, in möglichst allen vier Rennen zu punkten. Der Start in der Abfahrt am Freitag war beim Tiroler aber noch nicht ganz fix.

Schild hingegen gewann trotz Fehlern in beiden Durchgängen nach der Reiteralm auch in Panorama und hat nach vier Saisonrennen 53 Punkte Vorsprung auf Denise Karbon und sogar schon 100 auf Titelverteidigerin Nicole Hosp. Und diese Woche stehen endlich auch bei den in Kanada bleibenden Damen mit Abfahrt und Super G in Lake Louse die ersten Speed-Rennen der Saison an.

Nach ihrer weiteren Machtdemonstration im Slalom (15. Sieg/17. insgesamt) wurde Schild im kanadischen Fernsehen spontan aber respektvoll als "Slalom-Maschine" bezeichnet. Schild selbst freute sich hingegen bereits ungemein darauf, diese Woche in Lake Louise auf den Spuren ihres Freundes ("Wir sind nicht verlobt!") zu wandeln.

Schild überflügelt Raich
Selbes Hotel, selbe Piste. Selber Erfolg? Schild hat Raich in den Speedbewerben sogar schon überflügelt. Während Raich zum dritten Mal im Super G an Aksel Svindal scheiterte, liegt seine Freundin nicht nur an Saisonsiegen mit 2:0 voran. Sie hat zweite Plätze nicht nur im Super G, sondern auch bereits in der Abfahrt in der Tasche. Deshalb war die die beste Slalomfahrerin der Gegenwart auch glaubwürdig, als sie meinte: "Auch in den Speedbewerben sind Podiums und Siege mein Ziel."

Vor der Fahrt nach Lake Louise feierte Schild in Panorama aber noch ihren neuerlichen Slalom-Triumph. Vor allem dank der Salzburgerin blicken die ÖSV-Damen nun schon auf 21 Rennen in Folge mit Podestplätzen zurück. Im Vorjahr hat Schild sieben von neun Weltcupslaloms gewonnen, heuer - obwohl sie im Sommer zweimal verletzt war, mit einer dreizehnfach verschraubten Platte in der linken Hand fährt und weit mehr Speed als Slalom trainiert hat - schon zwei von zwei.

"Sie macht einfach am wenigsten Fehler"
Ihr Umfeld hatte die Gründe für das "Slalom-Phänomen" Schild, das mit 19 wegen fünf Knieoperationen zum Slalom gewechselt war, schnell gefunden. "Sie macht einfach am wenigsten Fehler", sind sich Nicole Hosp und Michaela Kirchgasser einig. Damenchef Herbert Mandl ist überzeugt: "Ihre Athletik erlaubt es ihr, diesen kurzen Radius und eine total freche Linie zu fahren."

Schilds Antwort ist simpler: "Mein Selbstvertrauen. Es kam mit den Siegen, und es wird immer größer", so die Salzburgerin, von deren einstigen Zurückhaltung nichts mehr zu sehen und spüren ist. "In Panorama war ich ganz sicher nicht perfekt. Aber immer noch schnell genug." Dem stimmte auch Mandl zu: "Bei ihr fährt der Druck des Siegen-Müssens ja ständig mit. Und dann gewinnt sie trotz der Fehler in Panorama ganz klar. Das zeichnet sie als Klasseläuferin aus."

Schon auf Platz fünf in Sieg-Bilanz
In der ewigen Slalom-Wertung der Damen ist Schild mit ihren 15 Siegen schon auf Platz fünf. In der Statistik der meisten Slalom-Weltcup-Siege bei Damen und Herren ist sie Achte, nur ein Erfolg fehlt ihr noch auf den großen Marc Girardelli. Doch das ist Beiwerk, das endlich zum großen und im Vorjahr hauchdünn verpassten Ziel führen soll: Den Weltcup-Gesamtsieg.

"Der ist natürlich ganz oben auf meiner Liste", so Schild. "Aber jetzt freu' ich mich darauf, endlich wieder die langen Ski anziehen zu können", blickte sie sofort wieder nach vorne. Und das mit dem Benni ... "das halten wir schon aus. Werden wir halt telefonieren. Oder skypen."

(apa/red)

26.11.2007 12:13