Medien diskutieren "Sarkozy-freien Tag": Fordern Ende seiner "Allgegenwärtigkeit"
- Freitag soll neuer Präsidenten-freier-Tag werden
- Frankreich: Staatschef-Personenkult nicht fördern

·Ist "Omnipräsident" Sarkozy zuviel im TV?
Sozialisten: "Mediale All-
gegenwart eindämmen"
Der Aufruf zu einem "Sarkozy-freien Tag" in den Medien hat in Frankreichs Redaktionen eine lebhafte Diskussion über den oft als "allgegenwärtig" kritisierten Staatschef ausgelöst. Mit der Aktion am Freitag solle hinterfragt werden, ob alle Auftritte von Präsident Nicolas Sarkozy wirklich Berichtenswertes brächten oder nur Teil eines "Personenkults" seien, sagte der Soziologe Pierre Bitoun, der mit seiner Initiative Zusammenschluss für Demokratie im Fernsehen (RDT) zu dem Tag aufgerufen hatte. Demnach sollen Redaktionen in Rundfunk und Presse "kein Bild, keinen Ton, keine Zeile über Taten und Handlungen von Nicolas Sarkozy" veröffentlichen.
Sarkozy sei "ein Chefredakteur, der jeden Morgen das Menü vorgibt und die Taktik verfolgt, ständig die Bühne zu besetzen", sagte der Chef der linken Zeitung "Liberation", Laurent Joffrin. Die Journalistengewerkschaft SNJ-CGT zeigt sich "entsetzt" darüber, was alles zu Sarkozy im Rundfunk gesendet wird. "Das ist reine Öffentlichkeitsarbeit ohne Widerspruch."
Doch nur wenige Medien wollten dem Boykott-Aufruf folgen. "Wir werden nicht einen ganzen Teil der Nachrichten unter dem Vorwand zurückhalten, dass man darüber an anderen Tagen zu viel spricht", sagte Redaktionsdirektor Philippe Chaffanjon vom Radiosender France Inter. "Das wäre, als ob wir entschieden, nicht mehr über Genpflanzen zu berichten. Das ist sinnlos." Beim privaten Radiosender Europe 1 hieß es, das Unternehmen habe "keine Meinung" zu dem Projekt. Und die auflagenstarke Hauptstadtzeitung "Le Parisien" will lieber ihre Leser entscheiden lassen, "ob der Präsident zu viel Präsenz zeigt".
Für Vertreter von Journalistengewerkschaften hat der Aufruf immerhin den Verdienst, eine Diskussion ausgelöst zu haben. "Im Fernsehen ist die Linie: Alles, was Sarkozy sagt, ist wichtig", sagte Dominique Pradalie von der Gewerkschaft SNJ beim öffentlich-rechtlichen TV-Sender France 2. Dies werde nun hinterfragt. Und Jean-Francois Kahn, Chef des Wochenmagazins "Marianne", sieht in der Aktion für Journalisten die Möglichkeit, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und nicht als "Presse auf Befehl" zu erscheinen.
(APA/red)
