Montag, 26. November 2007

Medienzar Berlusconi steht vor Trümmern:
Mitte-Rechts-Bündnis vor der Implosion

  • Parteien mit gegenseitigen Schuldzuweisungen
  • Vorwurf: "Berlusconi sind die Nerven durchgebrannt"

Das italienische Oppositionsbündnis Haus der Freiheiten um Silvio Berlusconi liegt in Trümmern. Knapp nach der Ankündigung des TV-Zaren, er werde seine konservative Gruppierung Forza Italia in der neuen Partei der Freiheit auflösen, ist das Oppositionsbündnis in die Brüche gegangen. Die Parteien machen sich gegenseitig für politische Fehler verantwortlich.

Berlusconi und seine Verbündeten, die rechte Alleanza Nazionale um Ex-Außenminister Fini, und die christdemokratische UDC, beschuldigen sich gegenseitig, das Überleben der Regierung um Romano Prodi begünstigt zu haben. Berlusconi sagte, die Verbündeten und ihr ständiges Gezanke hätten ihm die Parlamentswahl 2006 gekostet. Sie hätten ihn während seiner Regierungszeit (2001-2006) politisch erpresst.

AN und UDC hatten ausgeschlossen, dass sie in der neuen Partei der Freiheit Berlusconis aufgehen werden, wie es sich der TV-Magnat gewünscht hätte. Berlusconi hatte für eine einheitliche Mitte-Rechts-Partei mit UDC und AN gearbeitet, doch die Parteichefs der beiden Gruppierungen stemmten sich vehement gegen dieses Projekt. In einem veröffentlichten Schreiben warfen Fini und UDC-Chef Casini Berlusconi "Propaganda und Populismus" vor.

Die UDC verlangte von Berlusconi mehr "Bescheidenheit". Schließlich habe er während seiner Regierungszeit seine eigenen Interessen verfolgt, sagte Casini. "Berlusconi sind die Nerven durchgebrannt. Er flüchtet vor der Wahrheit, dass seine Opposition gescheitert ist, und will uns demütigen", so Casini. Die UDC plant laut Gerüchten einen Zusammenschluss mit der AN, die sich somit ein neues Ansehen als gemäßigte Partei aufbauen will.

(apa/red)

26.11.2007 14:13