Obwohl Bundesheer in Startlöchern steht: Abflug nach Tschad erst nach Weihnachten?
- Beginn des EU-Einsatzes droht verschoben zu werden
- Mangelnde Kapazitäten bei Lufttransport & Sanitätern

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Falsch informiert über den Einsatz im Tschad?
Der Beginn des EU-Militäreinsatzes im Tschad verzögert sich. Grund dafür sind stockende Gespräche über die Bereitstellung der nötigen Kapazitäten in den Bereichen Lufttransport und Sanitäter, sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos, Stefan Hirsch, auf Anfrage gegenüber der APA. Es sei jedoch offen, ob der Einsatz wirklich erst nach Weihnachten beginnen könne, sagte Hirsch.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Einsatz vor Weihnachten startet", zitierte der "Kurier" den Sprecher des irischen Operationskommandanten Pat Nash, Dan Harvey. Die "Kleine Zeitung" berichtete, Optimisten gingen von einer Verzögerung um zwei Wochen aus. Realistisch sei aber, dass die EUFOR-Soldaten Weihnachten und Silvester noch daheim verbringen werden. "Ich kann bestätigen, dass sich die Entsendung der gesamten Mission weiter verzögern wird", sagte Hirsch. Eine Verzögerung von mehreren Wochen sei aber bei großen internationalen Friedensmissionen nicht unüblich, fügte er hinzu.
Wann die Mission beginnen könne, hänge vom Fortgang der Gespräche über die notwendigen zusätzlichen Kapazitäten ab, sagte Hirsch. Österreich sei diesbezüglich nicht in der Pflicht, sondern vor allem die größeren Mitgliedstaaten. "Österreich leistet einen erheblichen Beitrag, der in der EU gelobt wird", betonte der Ministersprecher. Die Verzögerung "liegt nicht in unserem Bereich. Wir sind bereit." Die Entscheidung über den Start der Mission werde im Pariser EUFOR-Hauptquartier getroffen. Dort wurde Spekulationen, die österreichischen Soldaten könnten im Voraus in den Tschad geschickt werden, eine Absage erteilt. "Ich schicke auch keine Rugby-Mannschaft aufs Feld, wenn ich nicht genug Spieler habe", sagte EUFOR-Sprecher Harvey dem "Kurier".
Beteiligung höchst umstritten
Nach bisheriger Planung des Bundesheeres hätten schon diese Woche die ersten Soldaten in den Tschad geschickt werden sollen, noch im Dezember sollte der größte Teil des 160 Mann starken Kontingents folgen. Die österreichische Beteiligung an der Mission ist innenpolitisch umstritten. Die Kritik hat jüngst durch die heftigen Kämpfe zwischen Rebellen und tschadischen Regierungstruppen in der Nähe des Einsatzgebiets zusätzliche Nahrung erhalten.
Die aus 3.700 Soldaten und Soldatinnen bestehende EUFOR-Truppe soll im Grenzgebiet zum Sudan, in dem 250.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur und 170.000 Menschen aus anderen Teilen des Tschad Zuflucht gesucht haben, für Sicherheit sorgen und die humanitäre Notlage lindern helfen.
Weist Oppositonskritik zrück
Darabos bezeichnete die Kritik von Grünen, FPÖ und BZÖ an der österreichischen Beteiligung am EUFOR-Einsatz als "fast verwerflich", da es um eine humanitäre Mission zur Linderung von Flüchtlingsleid gehe. An die Adresse der außenpolitischen Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, sagte der SPÖ-Politiker, diese habe sogar verlangt, dass das Bundesheer in die benachbarte sudanesische Krisenregion Darfur geschickt werde. "Das hätte ich nicht erlaubt, weil in Darfur ist wirklich Bürgerkrieg", betonte Darabos.
In anderen Teilnehmerländern wie dem neutralen Schweden gebe es keinen solchen Widerstand gegen eine Beteiligung an der Tschad-Mission, sagte Darabos. "In Österreich wird diese Diskussion kleinkariert, in Richtung Abkassieren von innenpolitischem Kleingeld geführt". Dabei sei der Einsatz durchaus auch "eigennützig", weil so Flüchtlingsströme von Europa ferngehalten werden.
(apa/red)
