Strafverfolgung jetzt nicht mehr möglich: Verfahren um Tiroler Babyleichen eingestellt
- Kinder kurz nach Geburt getötet: Tat ist verjährt
- Mutter brachte Babys zwischen 1977 & 1980 zur Welt

Im Fall der drei Innsbrucker Babyleichen hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck das Strafverfahren gegen die Mutter und deren Ehemann eingestellt. Eine Strafverfolgung sei wegen der abgelaufenen Verjährung nicht mehr möglich, hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme.
Wie Staatsanwalt Wilfried Siegele darlegte, hatte die gerichtliche Voruntersuchung ergeben, dass die Frau vermutlich in den Jahren 1977 bis 1980 drei Buben zur Welt gebracht hatte, die von ihr bei oder unmittelbar nach der Geburt getötet worden sein dürften.
Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre
Für das Verbrechen der Tötung eines Kindes nach der Geburt sieht das Strafgesetz einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft vor. Die Verjährungsfrist für dieses Delikt beträgt allerdings fünf Jahre. Damit sei eine Strafverfolgung der Mutter nicht mehr möglich, so der Innsbrucker Staatsanwalt.
Aus den gerichtsmedizinischen Erkenntnissen ergebe sich, dass in den Babyleichen noch Stoffwechselprodukte der Mutter - Nikotin und Koffein - nachweisbar waren. Hätten die Kinder die Geburt über eine längere Zeit "überlebt", wären diese Stoffwechselprodukte nicht mehr festzustellen gewesen, berichtete Siegele.
Ehemann wusste angeblich nichts von Schwangerschaften
Der Ehemann der Mutter hatte bestritten, von den Schwangerschaften Kenntnis gehabt zu haben, was auch von dieser bestätigt wurde. Es gebe "überhaupt keinen Beweis dafür", wonach er seine Frau zur Tötung der Kinder bestimmt oder sonst durch aktives Tun oder strafbares Unterlassen an der Tötung mitgewirkt habe.
Die Mutter der drei toten Buben hatte bei den Einvernahmen angegeben, dass es sich in allen drei Fällen um Totgeburten gehandelt habe. Sie erklärte, dass die Kinder zwischen 1977 und 1980 auf die Welt gekommen seien. Die toten Babys waren am 1. Juni im Stadtteil Wilten entdeckt worden. Die Neugeborenen waren unter Brettern im Erdboden verscharrt. Die Tirolerin konnte durch einen DNA-Abgleich als Mutter ermittelt werden. Zwei der Babys stammen vom Ehemann. Das dritte Kind hat einen anderen Vater. Das tatverdächtige Ehepaar - eine 54-Jährige und ihr 62 Jahre alter Mann - waren am 15. Juni aus der Haft entlassen worden.
(apa/red)
