Placebo-Effekt kann heilen helfen: Allein Erwartungshaltung hilft vielen Patienten
- Behandlung könnte bald mit Placebos ergänzt werden
- Rechtliche Probleme stehen der Anwendung im Weg
So genannte Placebo-Präparate könnten nach Expertenansicht künftig eine Behandlung mit Medikamenten ergänzen. Zahlreiche klinische Studien hätten inzwischen nachgewiesen, dass es einen Placebo-Effekt gebe und die wirkstofflosen Medikamente wirkten, sagte Manfred Schedlowski vom Universitätsklinikum Essen.
Als Placebo gilt ein medizinisches Präparat, das keinen pharmazeutischen Inhaltsstoff enthält und dessen Wirkung auf psychologischen Effekten beruht.
"Erst seit einigen Jahren ist der Placebo-Effekt Gegenstand intensiver Forschung", sagte Schedlowski. Wie er zustande komme, sei bis heute nicht ganz geklärt. "Sicher ist, dass zwei Faktoren entscheidenden Einfluss haben: die Erwartungshaltung der Patienten sowie ein Lern- oder Konditionierungseffekt", sagte Schedlowski.
Erwartung lindert Schmerz
Die Forscher gehen davon aus, dass die Heilungserwartung eines Patienten die tatsächliche Heilung positiv beeinflusst. Voraussetzung sei großes Vertrauen des Patienten zum Arzt. "Der Arzt sollte erklären, warum er ein bestimmtes Medikament verschreibt, wie es wirkt, was dessen Vor- und Nachteile sind." Die Erwartung, dass der Schmerz abnehme, könne dafür sorgen, dass im Gehirn tatsächlich schmerzlindernde Stoffe ausgeschüttet würden.
Ein Konditionierungseffekt trete auf, wenn eine Medikation bereits erste Wirkung zeigte. "Der Patient merkt sich bestimmte Reize, etwa Aussehen oder Geschmack der Tablette und verbindet damit Schmerzlinderung." Obwohl er vielleicht nur Zuckerkügelchen bekomme, gehe es ihm anschließend besser. Bei Parkinson oder Depressionen habe man bereits gute Ergebnisse erzielt.
Rechtliche Probleme
Zu einer zukünftigen Anwendung sagte Schedlowski: "Es wäre möglich, die Dosis eines Medikaments langsam zu senken und stattdessen vermehrt Placebos zu verabreichen - bei gleichem therapeutischen Effekt." Ungeklärt ist für die Wissenschafter, warum manche Menschen verstärkt, andere dagegen gar nicht auf Placebos ansprechen. Auch ethische und rechtliche Probleme müssten bei einem klinischen Einsatz der Scheinmedikamente geklärt werden. Schließlich habe der Arzt eine Aufklärungspflicht dem Patienten gegenüber.
(apa/red)
