Donnerstag, 22. November 2007

Offensive gegen "Gewalt an den Schulen":
'Weiterbildung" für Lehrer derzeit geplant

  • Ausbau konkreter Gewaltpräventionsprogramme
  • Mehr Psychologen an Schulen & Infos für Betroffene

Mehr Psychologen an Schulen, eine "Weiterbildungsoffensive" für Lehrer, mehr Information für Betroffene, der Start und Ausbau konkreter Gewaltpräventionsprogramme sowie Verhaltensvereinbarungen an allen Schulen - mit diesen Maßnahmen will Unterrichtsministerin Schmied "Gemeinsam gegen Gewalt" an Schulen vorgehen. Die gleichnamige Strategie wurde präsentiert.

Wie viele Buben und Mädchen Opfer bzw. Täter sind, darüber gibt es laut Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) in Österreich keine repräsentativen Studien. Einzelne Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass es etwa zehn Prozent "Bullies" gebe, also Schüler, die gegen Mitschüler physische oder psychische Gewalt ausüben, und ebenso zehn Prozent Opfer. Dabei zeigten sich aber große Unterschiede zwischen einzelnen Klassen.

Eine Zunahme von Gewalt an Schulen kann Spiel mangels Studien dazu nicht feststellen. In Deutschland gebe es aber Längsschnittuntersuchungen, die eher in die gegenteilige Richtung zeigen. Umgekehrt würden die Bürger aber subjektiv davon ausgehen, dass die Gewalt zunehme. Dies habe damit zu tun, das die Menschen für das Thema immer stärker sensibilisiert würden.

Lehrer im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt ihrer Strategie würden laut Schmied die Lehrer stehen. Ab 2008 werde Gewaltprävention und Konfliktmanagement zum Schwerpunktthema in der Lehrerfortbildung. Bereits ab Jänner soll ein "Train the Trainer"-Programm an den Pädagogischen Hochschulen starten, an dem verbindlich ein bis zwei Weiterbildner pro Hochschule teilnehmen sollen. Außerdem wird eine Erhöhung der Zahl der derzeit 150 Schulpsychologen angestrebt. Ausgebaut werden sollen bereits laufende Präventionsprogramme wie "Faustlos" für die Volksschulen oder "WiSK" (Wiener Soziales Kompetenztraining) für die Zehn- bis 16- Jährigen.

Reaktion von VP und Grünen
ÖVP und Grünen fehlen konkrete Maßnahmen zur Gewaltprävention an Schulen. Es sei zwar "gut, dass Ministerin Schmied endlich das Problem erkannt hat, auf das die ÖVP seit langem aufmerksam macht", meinte ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon in einer Aussendung. "Aber anstatt schon wieder mit Experten zu philosophieren, wären konkrete Maßnahmen notwenig." Auch dem Grünen Bildungssprecher Dieter Brosz reichen "Absichtserklärungen, die wir seit Jahren hören, nicht aus".

Missethon verweist darauf, dass mit dem Geld für Claudia Schmieds Inseraten-Kampagne zur "Neuen Mittelschule" rund 20 Schulpsychologen hätten bezahlt werden können. Allein damit wäre die Zahl der Schulpsychologen in Wien verdoppelt. Mit ihren 200 zusätzlichen Budget-Millionen pro Jahr müsse Schmied gezielt in den Kampf gegen Gewalt an Schulen investieren. Zusätzlich bräuchten Lehrer "mehr Handhabe, um für Ordnung und Disziplin an unseren Schulen sorgen zu können
(apa/red)

22.11.2007 11:59