Sonntag, 25. November 2007

Ein Anschlag gegen die junge Generation?
Kostenexplosion durch den Pensionsschock

  • Die Experten warnen vor unfinanzierbarem System
  • NEWS: Ab 2050 mehr Pensionsten als Erwerbstätige

Den 2,1 Millionen österreichischen Rentnern hat die Regierung ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk beschert. Nach langen Jahren dürftiger Erhöhungen kriegen die Rentner ab 2008 eine um bis zu 2,9 Prozent höhere Pension. Pensionsexperten laufen gegen die jetzige Erhöhung Sturm und sprechen von einem "Anschlag auf die junge Generation"
(Universitätsprofessor Theodor Tomandl) und einem "unfinanzierbaren System für die Zukunft" (IHS-Boss Bernhard Felderer). Doch Gusenbauer hält an der Taktik fest: "Die Pensionsanhebung ist nicht für Experten, sondern für Pensionisten gemacht."

Aber tatsächlich haben die Experten Recht. Denn das System zur Altersversorgung ist an den Rand der Unfinanzierbarkeit geraten. Derzeit müssen laut einer Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) eineinhalb Beschäftigte arbeiten, um einen Pensionisten zu finanzieren. Spätestens ab 2050 wird dieses Verhältnis eins zu eins sein. Sprich: Die Zahlungen in die Pensionskasse pro Angestellten und Arbeiter werden rasant steigen.

Rainer Münz, Koryphäe in Sachen demografische Entwicklungen und Berater der Erste Bank: "Unser Pensionssystem sieht derzeit vor, dass die Differenz zwischen Beiträgen der Aktiven und den Pensionen vom Steuerzahler berappt wird. Somit werden die Jüngeren zur Finanzierung der Älteren sowohl über die normalen Sozialversicherungsbeiträge als auch über die Lohnsteuer zur Kassa gebeten. Je höher SV-Beiträge und Steuern sind, umso weniger Geld bleibt den Aktiven zur Vorsorge für das eigene Alter. Diese Eigenvorsorge wäre aber dringend nötig, weil auf die Babyboomer nur noch geburtenschwache Jahrgänge folgen."

Pensionisten werden jünger
Ein weiteres Problem ist die Verjüngung der Pensionisten. Anfang 1970 gingen Männer im Regelfall mit 62,5 Jahren in Pension. Derzeit liegt das Antrittsalter für inländische männliche wie auch weibliche Rentner bei 57 Jahren. IHS-Experte Schuh: "Wenn jemand erst mit 25 Jahren zu arbeiten beginnt, aber bereits mit 57 in Pension geht, dann kann sich das alles nicht ausgehen. Daher wird eine deutliche Anhebung des Antrittsalters hin zu 65 Jahren absolut notwendig sein."

Aus diesen Gründen wird eine private Pensionsvorsorge unerlässlich sein. Münz: "Die staatliche Rente wird es immer geben. Aber wird sie auch reichen? Damit es keinen finanziellen Pensionsschock gibt, sollte man daher früh mit der Vorsorge beginnen."

Das Pensionssystem fußt auf drei Säulen: staatlich, betrieblich und privat. Die betriebliche Vorsorge ist ein echtes Sorgenkind. Nur zwanzig Prozent der Österreicher sind betrieblich abgesichert.

Bartenstein mit Mitarbeiterbeteiligungsmodell
Wirtschaftsminister Martin Bartenstein feilt seit Monaten an einem Mitarbeiterbeteiligungsmodell, um diese Quote zu verbessern. Unternehmen, die ihre Angestellten am Gewinn teilhaben lassen wollen, verpulvern wegen hoher Abgaben das meiste Geld für die Steuer.

Den Mitarbeiter erreicht nur ein Bruchteil davon. Aus diesem Grund will Bartenstein zahlungswillige Firmen steuerlich begünstigen. Eine Idee, so bestätigt ein Sprecher des Ministers, ist es, dass die steuerbegünstigte Erfolgsprämie an die Einzahlung in eine betriebliche Pensionsvorsorge geknüpft wird. Damit würde Bartenstein zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sein Beteiligungsmodell anzubringen und das Pensionssystem zu stützen.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS Nr. 47/07!

25.11.2007 17:52