FORMAT über Glücksfaktor Arbeit: Warum Job-Zufriedenheit ein erfülltes Leben bringt
- Mitarbeiterorientierte Unternehmen sind erfolgreicher
- Vorgesetzte meistens Schuld an teurer Fluktuation

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Nur zehn Prozent aller Menschen können sich vorstellen, ohne Arbeit ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen. Für den Rest ist Arbeit der zentrale Glücksfaktor, vielfach wichtiger noch als etwa die Familie. Niemand erwartet, dass der Beruf immer Freude macht. Doch ohne ihn schwinden für die allermeisten Menschen Orientierung und Sinn im Leben. Wer keinen Job hat, ist also arm dran. Nicht nur finanziell. Arbeitslosigkeit verursacht großes persönliches Leid, sogar weit über den Zeitpunkt der Arbeitslosigkeit hinaus. Sie wird so sehr als Selbstentwertung empfunden, dass sie noch Jahre später das Glücksempfinden spürbar senkt. Richard Lucas und seine Kollegen von der Universität Michigan haben das in einer Langzeitstudie mit 24.000 deutschen Arbeitslosen herausgefunden. Diese Untersuchung widerlegt die über längere Zeit populäre Auffassung, wie glücklich und zufrieden wir sind, hänge von unserer Mentalität und unseren Genen ab.
"Sind Leute, die im Jackett zur Arbeit gehen, glücklicher und erfüllter als die, die Monteursanzüge tragen? Geht es denen besser, die es auf der Sozialleiter höher hinauf geschafft haben?" Diese Fragen wollten David Lykken und Auke Tellegen von der University of Minnesota mit ihrer Untersuchung von Zwillingen beantworten. Die Forscher stellten fest, dass das Glücksempfinden bei eineiigen Zwillinge zwischen 0,44 und 0,52 korreliert. Demnach würden die Gene knapp 50 Prozent zu unserem Glück beitragen. Damit hätten wir immer noch großen Einfluss darauf, wie gut es uns geht. Denn alles Weitere hängt nicht allein von den Umständen ab.
Fröhliche Babys werden lebensfrohe Erwachsene
Fröhliche Babys werden nicht eher lebensfrohe Erwachsene, fand der holländische Glücksforscher Ruud Veenhoven heraus. Kinder, die Sicherheit und Bindung empfinden, schneiden gegenüber Kindern, die das vermissen, vielfach besser ab: Sie haben mehr Ausdauer, können Probleme besser lösen, sind unabhängiger, entdeckungsfreudiger und enthusiastischer. Sie entwickeln mehr Mitgefühl, haben intensivere Freundschaften und Liebesbeziehungen.
Schönheit und Intelligenz unwichtig
Erziehung, Elternhaus und soziales Umfeld beeinflussen das Glücksempfinden. Schönheit und Intelligenz übrigens nicht. Kurzweilige Vergnügungen bereiten Spaß, aber eine endlose Aneinanderreihung von derartigen Ereignissen beschert kein wirkliches Glück und ist fern von einem guten Leben. Die Spaßgesellschaft wird letztlich fad. Auch das belegen Empiriker mit Langzeituntersuchungen.
Wirtschaftswachstum allein führt nicht zu Wohlbefinden
Jeder Mensch braucht ein gutes Auskommen. Doch obwohl wir (in den westlichen Industriegesellschaften) seit Jahrzehnten finanziell komfortabler leben, weniger arbeiten, uns mehr leisten können und länger leben, sind wir nicht glücklicher geworden. Das zeigen große internationale Studien. Wirtschaftswachstum allein führt nicht zu größerem Wohlbefinden. Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Richard Layard von der London School of Economics schlägt deshalb vor, man sollte die Entwicklung des Glücks genau so messen wie die des Bruttosozialprodukts. Dann könnten wir sinnvoller bestimmen, wie wir als Gesellschaft insgesamt unterwegs sind, wohin wir wirklich wollen.
Persönliche Glücksfaktoren sind: eine stabile Partnerschaft, Lebensgemeinschaft, nicht notwendigerweise als Ehe, engere familiäre Bindungen, tiefe Freundschaften mit einer Hand voll Leuten, lockerere Beziehungen zu größeren Gruppen von Menschen, ein sicheres und ergiebiges soziales Umfeld, gute Ernährung, körperliche Aktivitäten.
Fähigkeit, persönliche Ziele zu definieren
Wichtig für das Glück ist die Fähigkeit, persönliche Ziele zu definieren und zu verfolgen. Das verlangt besondere Anstrengungen im Denk-Hirn, genauer: im präfrontalen Kortex, auch die Fähigkeit, mit dem Denk-Hirn zu überwachen, ob die eingeschlagenen Wege zielführend sind.
Wer sich Ziele setzt und eine Vorstellung entwickelt, wie diese Ziele zu erreichen sind, dem geht es in seinem Leben besser. Wer ziellos umhertreibt und hofft, es werde sich schon alles richten, der ist unglücklicher.
Konzept von "Flow"
Das passt zu dem Konzept von "Flow", das der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi entwickelt hat. Er lehrt jetzt übrigens an der Drucker School of Management. Flow ist der Zustand der Erfüllung, Genugtuung. Wir erreichen ihn nur, wenn wir gefordert sind. Dazu brauchen wir Aufgaben, die uns fordern, auf die wir uns innerlich einlassen und konzentrieren müssen.
Unternehmen müssen Zufriedenheit schaffen
Arbeit bietet uns dafür die besten Chancen. Jedenfalls hoffen wir darauf und suchen danach. Die allermeisten Menschen wollen etwas leisten, Aufgaben bewältigen, neuen Herausforderungen begegnen. Arbeit strukturiert die Zeit. Sie schützt vor Langeweile, einem echten Glückskiller. Sie bietet Einkommen, soziale Beziehungen, Status und Prestige. Unternehmen, die das in vielfältiger Weise ermöglichen, haben zufriedenere Mitarbeiter. Denen geht es am besten, wenn sie das tun dürfen, was sie am besten können. Wenn sie nicht unnötig bevormundet und kontrolliert werden. Und wenn Chefs ihre Fähigkeiten schätzen und anerkennen.
Wer zufrieden mit seinem Job ist, schaut sich nicht nach Alternativen um. Deshalb müssen Unternehmen, die interessiert sind, qualifizierte, motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter zu bekommen und zu halten, für ein ausreichendes Maß an Zufriedenheit sorgen. Sonst suchen sich diese Mitarbeiter nämlich andere Jobs, in anderen Firmen.
Vier von fünf Mitarbeitern, die kündigen, tun dies, weil es ihnen an Anerkennung fehlt. Schuld daran ist meist ihr Vorgesetzter. 70 Prozent wechseln den Job, weil sie ihren Chef nicht leiden können. Weil Führungskräfte sich nicht so verhalten, wie die meisten Mitarbeiter es von ihnen erwarten. Unternehmen müssten solche Umfragewerte alarmieren.
Druck, Kontrollen und Negativmeldungen
Vorgesetzte reagieren oft mit Druck, wenn Leistungen von Mitarbeitern nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Sie verschärfen Kontrollen, senden mehr Negativmeldungen aus, setzen straffere Deadlines. Gegen jede einzelne Maßnahme ist an sich nichts zu sagen. Denn nicht alle Mitarbeiter wollen immer nur ihr Bestes geben.
Übertreiben Vorgesetzte jedoch - und vielfach merken sie nicht, wann das passiert -, schüren sie Konfrontation. Sie erzeugen schlechte Stimmung und Stress gerade bei denen, die sich besonders einsetzen. Stress-Schäden kosten uns in Europa pro Jahr rund 300 Milliarden Euro. Ein Großteil davon wäre vermeidbar, wenn Manager besser wüssten, wie sehr "humane Faktoren" dazu beitragen - nämlich das eigene Verhalten und schlechtes Emotions-Management.
Börsennotierte Unternehmen, die einen guten Umgang mit Mitarbeitern pflegen und den Einfluss humaner Faktoren besser verstehen, liefern ihren Aktionären hingegen mehr Gewinn. Managementberater von Watson Wyatt errechneten über einen Zeitraum von fünf Jahren für solche Unternehmen einen Gewinn von 64 Prozent gegenüber von nur 21 Prozent bei Firmen, die sich um Humanfaktoren nur wenig kümmern.
Die ganze Story lesen Sie im FORMAT 47/07!

