Krankenkassendefizit laut Kdolsky "keine Krisensituation": System noch finanzierbar
- Effizienzsteigerungen seien aber definitiv notwendig
- Plus: "Mehr in Gesundheitsförderungen investieren"
·"Gesundheitspleite" ist nicht hausgemacht
RH gibt Politik Schuld an maroden Krankenkassen

"Keine Krisensituation" sieht Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky in den jüngst veröffentlichten, voraussichtlichen Abgängen der Krankenkassen. "Das Gesundheitssystem ist finanzierbar", doch es gebe Diskussionsbedarf. Auch würden Effizienzsteigerungen notwendig sein, erläuterte sie bei einer Podiumsdiskussion in Klagenfurt.
"Diese Zahlen sind eine Vorschau", sagte Kdolsky. Sie rechnet damit, dass die tatsächlichen Abgänge deutlich niedriger sein werden. "Auch im Vorjahr sind die Vorschlagszahlen bis zu 42 Prozent unterschritten worden", argumentierte sie in ihrem Vortrag auf Einladung des Europahauses. Einsparungen müssten auch innerhalb der Gebietskrankenkassen in den einzelnen Bundesländern möglich sein, ohne die Qualität der Versorgung zu reduzieren. So habe beispielsweise Oberösterreich bei den österreichweit niedrigsten Kosten im Gesundheitswesen die ältesten Bürger.
Finanzierbarkeit von Effizienz abhängig
"Es wird notwendig sein, dass wir Managementqualität als wesentlichen Bestandteil des Gesundheitswesens sehen", präzisierte Kdolsky ihre Vorstellung von der künftigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. "Einsparungen durch Leistungseinschränkung wird es unter meiner Führung nicht geben", versprach die Ministerin.
Kdolsky bekräftigte ihre Forderung nach einer besseren Steuerung und Planung der Versorgung. Derzeit gebe es im Spitalsbereich ein Überangebot an Akutbetten und zu wenige Rehabilitations- und Remobilisationsbetten. Hier müsste man sich mehr an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren, forderte sie. Weiters verlangte sie eine verstärkte Schwerpunktsetzung im Angebot. Das derzeit praktizierte Gießkannenprinzip - "Jedes Haus bietet alles an" - sei weder finanzierbar noch ein Qualitätsmerkmal.
Prävention hat absoluten Vorrang
Als wichtigsten Schwerpunkt ihrer Arbeit nannte Kdolsky die Prävention: "Wir müssen mehr in die Gesundheitsförderung investieren." Die Menschen müssten mehr Eigenverantwortung für ihren Körper entwickeln. Die betriebliche Gesundheitsförderung sei im Rahmen der Vorsorge ein wesentlicher Faktor, so die Ministerin. "Und dabei geht es nicht nur um Maßnahmen des Arbeiterschutzes, sondern auch um das Wohlfühlen am Arbeitsplatz, was wiederum mit Mitbestimmung zu tun hat."
Der Präsident der Kärntner Ärztekammer, Othmar Haas, gab zu bedenken, dass man bei der Schwerpunktsetzung darauf achten müsse, der Landbevölkerung nicht schlechtere Bedingungen zu bieten als den Menschen in den Zentralräumen. Gerade bei Akutfällen, wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen, sei eine möglichste rasche und damit wohnortnahe Versorgung wichtig. Zum österreichischen Gesundheitssystem meinte er im Vergleich zu anderen Ländern: "Bei uns sind die Patienten sehr verwöhnt und wissen nicht, wie gut es ihnen eigentlich geht." (apa/red)

