Burgenland verkauft Bewag-Beteiligungen: Verkauf soll rund 100 Millionen Euro bringen
- Verkaufserlöse sollen in "Zukunftsprojekte" fließen
- Energieunternehmen: "Familiensilber verscherbelt"?
Das burgenländische Energieunternehmen Bewag plant, Beteiligungen zu verkaufen: Die Firmentochter Austrian Wind Power (AWP) soll zum Teil, der Autozulieferer Becom sowie der Internet-, Telefon- und Kabel-TV-Anbieter B.net Burgenland Telekom GmbH sollen zur Gänze privatisiert werden, erklärte Landeshauptmann Hans Niessl. Die erwarteten Verkaufserlöse in Höhe von 100 Mio. Euro sollen in den Burgenland-Fonds für "wichtige Zukunftsprojekte" fließen.
Es gebe bereits mehrere Interessenten im In- und Ausland. Niessl geht davon aus, dass die Veräußerungen bis Ende 2008 "über die Bühne gehen". Das Kerngeschäft der Bewag, Strom, bleibe in öffentlicher Hand, so Niessl. Auch die AWP werde mehrheitlich in öffentlicher Hand bleiben.
Bei den Aktivitäten im Ausland jedoch soll das Risiko der Bewag und somit der burgenländischen Strombezieher minimiert werden. Derartige Aktivitäten sollen von Privaten unternommen werden. Für Minderheitsbeteiligungen im Ausland habe die Bewag ausreichend eigene Rücklagen, meinte der Landeshauptmann.
Verkäufe ausgeschrieben
Die Verkäufe werden EU-konform ausgeschrieben. Es gebe bereits mehrere Interessenten im In- und Ausland, dass sich darunter auch eine französische Investorengruppe oder die Burgenland Holding befindet, sei "nicht auszuschließen", so Niessl. Weitere "interessante Beteiligungen" der Bewag in Zukunft und auch deren Verkäufe seien ebenfalls nicht auszuschließen.
"Familiensilber verscherbelt" ?
Dass durch die geplanten Veräußerungen "Familiensilber verscherbelt" werde, davon sei "nicht die Rede". "Eigentümerwunsch ist es, das Risiko im Ausland möglichst zu reduzieren." Auch werde das Ziel, dass das Burgenland bis zum Jahr 2013 stromautark ist, durch die Teilprivatisierung nicht "schlechter erreicht. Im Gegenteil, das Ziel kann dadurch noch rascher erreicht werden", so Niessl.
Der burgenländische Anteil an den Verkaufserlösen - in Summe rechnet Niessl mit rund 100 Mio. Euro - werde "zur Gänze" in den Burgenland-Fonds fließen. Niessl räumte auch ein, dass künftig für den Gesundheitsbereich Gelder benötigt werden. Unter anderem müsse das Krankenhaus Oberwart um 70 bis 80 Mio. Euro generalsaniert werden.
Ein Verkauf der Bewag oder von Anteilen aus der Bewag löse die Budgetprobleme des Burgenlandes nicht, so ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Halper. Bei einem Verkauf von Anteilen handle es sich um Einmalerlöse: "Jeder, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, weiß, dass Einmalerlöse nicht dazu da sind, strukturelle Probleme eines Budgets zu beheben."
Spätestens in zwei, drei Jahren hätten sich wieder soviel Rückstände im Budget aufgebaut, "dass neuerlich eine Kraftanstrengung erforderlich sein wird, um das zu lösen." Allerdings werde irgendwann in nächster Zeit das "Tafelsilber" des Landes Burgenland zur Gänze verkauft sein. "Und spätestens dann steht das Land vor dem finanziellen Ende."
Die Bewag hielt sich zu den Verkaufsgerüchten in der vergangenen Woche und auch nach der Aufsichtsratssitzung bedeckt. (apa/red)

