Südafrika will die Heim-WM nicht eröffnen:
Coach lässt Italien oder England den Vortritt
- Parreira: 'Eigenartige Bedingungen mit großem Druck'
- FIFA spendet 500 Dollar pro Quali-Tor für die Jugend
Südafrikas Teamchef Carlos Alberto Parreira will bei der Fußball-WM 2010 im eigenen Land mit seinem Team nicht das Eröffnungsspiel bestreiten. "Brasilianer mögen Eröffnungsspiele nicht. Das sind eigenartige Begegnungen mit großem Druck", sagte der in südafrikanischen Diensten stehende Südamerikaner.
Parreira möchte lieber später ins Turnier starten. "Wir überlassen dieses Spiel gerne anderen, den Italienern oder Engländern", sagte der Brasilianer. Das WM-Eröffnungsspiel findet am 11. Juni 2010 im Soccer-City-Stadion von Johannesburg zwischen dem "Kopf" der Gruppe A und der zweiten Mannschaft des Pools ("A2") statt. Südafrika wird als einer der acht Gruppenköpfe gesetzt werden. "In welche Gruppe wir kommen, ist noch nicht entschieden", betonte Parreira.
Parreira sorgt sich um Nachwuchs
Der Brasilianer ist total angetan von seiner Aufgabe im WM-Gastgeberland. "Ich habe einen solchen Enthusiasmus und eine solche Begeisterung noch nie vorher erlebt. Glauben Sie mir, das gibt es sonst nirgendwo", erklärte der Coach, der 1994 Brasilien zum WM-Titel führte. Sorgen bereitet Parreira allerdings die schlechte Nachwuchsarbeit.
Dieses Problem betrifft aber nicht nur Südafrika, sondern den gesamten Kontinent. Deshalb will die der Internationale Fußball-Verband (FIFA) für jedes Tor, das in Qualifikation für die WM 2010 fällt, 500 Dollar (338 Euro) spenden, die der fußballerischen Förderung von Afrikas Jugend zugutekommen sollen.
20 Leistungszentren in Afrika
"Hoffnung durch Fußball" (Football for Hope) nennt sich die Bewegung, die auf dem Mutterkontinent 20 Leistungszentren aufbauen will. Durch die Spenden der FIFA und deren Werbepartnern erhofft sie sich ein Startkapital von rund 10 Millionen Dollar (6,75 Mio. Euro). Fünf der Zentren mit Spielfeld, Gesundheitseinrichtungen und Klassenzimmern sollen in Südafrika entstehen, darunter in Johannesburgs Township Alexandra. Weitere sollen in Kenia, Ruanda, Mali, Ghana sowie 15 anderen afrikanischen Staaten entstehen.
In Ghana war Parreira 1968 als Trainer. Das war zu einer Zeit, als das Land wirtschaftlich am Boden lag. Damals war es noch weit davon entfernt, Afrikas Vorzeigestaat zu werden. Parreira: "Alles hat sich verändert. Das kann man gar nicht vergleichen. Das Talent der Spieler war damals auch schon vorhanden, aber die Infrastruktur hat sich total verändert. Damals sind wir vor dem Afrika-Cup in ein Militärlager gefahren und haben in Zelten geschlafen."
(apa/red)

