Pistenfloh Karbon überzeugt in Übersee: Größer als der Everest, härter als Karbon
- Südtirolerin trotz Italiens Finanznot vorne dabei
- 27-Jährige führt erstmals in Weltcup-Gesamtwertung
Wirtschaftlich bankrott, sportlich topp. Italiens Ski-Nationalteam liegt nach sechs Saisonrennen überraschend auf Platz zwei der Nationenwertung. Und Denise Karbon schloss in Panorama nahtlos an ihren Comeback-Sieg von Sölden an und führt nach ihrem neuerlichen Riesentorlauf-Triumph in Panorama erstmals sogar im Gesamt-Weltcup.
Dass ihr der dritte Weltcup-Sieg durch den Sturz von Niki Hosp praktisch in den Schoß gefallen war, störte Karbon nicht im Geringsten. "Ich wäre so oder so mit meiner Leistung zufrieden gewesen", strahlte die Kastelrutherin. Das Lager des neuen italienischen Damenchefs Michael Mair glich nach den Plätzen eins (Karbon), drei (Manuela Mölgg) und sechs (Nicole Gius) einem Tollhaus. Seit der Südtiroler Ex-Abfahrer (3 Weltcup-Siege) vergangenes Frühjahr das Kommando übernommen hat, läuft es bei der "Squadra feminile" geradezu sensationell.
"Heute Abend wird die Denise singen", scherzte Mair in Anspielung darauf, dass die 27-jährige Karbon die Nichte des Sängers der weltberühmten Kastelruther Spatzen ist. Diese haben dem 1,60 m kleinen und 50 Kilo leichten Pistenfloh ein Lied gewidmet und den Song "Größer als der Everest" zum Dany-Song umgetextet.
Sieben Jahre im Weltcup<(b>
Seit über sieben Jahren ist Karbon im Ski-Weltcup. WM-Silber in St. Moritz 2003 war ihr erster Erfolg, erst 2004 folgte der erste Weltcupsieg in Alta Badia. Dauer-Verletzungen haben aber dazu geführt, dass die leichtgewichtige Südtirolerin erst jetzt so richtig durchstartet. Karbon siegt also wieder und das, obwohl der italienische Skiverband nur dank einer Millionen-Finanzspritze weiterexistieren kann. "Vielleicht sind wir gerade deshalb etwas näher zusammengerückt", meinte Karbon.
Ein Grund für ihr x-tes gelungenes Comeback ist freilich auch in einer privat finanzierten Trainingsgruppe begründet. Unter dem Schweizer Coach Michel Bont haben Karbon, die Finnin Tanja Poutiainen und die verletzte Liechtensteinerin Tina Weirather, Tochter von Harti Weirather und Hanni Wenzel, im Sommer Kondition, aber auch Härte und Mut getankt. Das zierliche und stets freundliche Persönchen macht daher punkto Härte zu sich selbst ihrem Familiennamen längst alle Ehre.
Große Finanznot
Auch viele Teammitglieder von Karbon hatten im Sommer in die eigene Tasche gegriffen, um Kurse zu finanzieren. Die aktuelle Finanznot ist offenbar so groß, dass die italienischen Mädchen nach Panorama sogar für eine Woche zurück nach Europa fliegen mussten, weil Schneekurse in den USA vor den Rennen in Aspen offenbar nicht leistbar sind. "Wir hätten uns auch das selbst bezahlt, aber das wollte der Verband nicht", wunderte sich die Panorama-Dritte Manuela Mölgg.
Zumindest Karbon weiß, warum sie derzeit in der Form ihres Lebens fährt. "Ich hatte praktisch keine Saison, die ich ohne Verletzung fertig fahren konnte. Es ist ein harter, aber auch ein guter Weg, um zu lernen und besser zurückzukehren", gab sich die sonst stets lustige Südtirolerin einmal ernst. Den Beweis hatte sie vergangenen Winter geliefert. Drei Wochen nach WM-Bronze in Aare brach sie sich am 1. März das Wadenbein und musste wieder einmal vorzeitig passen. "Aber so etwas", betonte Karbon, "sind für mich längst nur noch Kleinigkeiten."
(apa/red)
