Montag, 26. November 2007

"Lang lebe Sharif!": Oppositionspolitiker mit Rückkehr in seine Heimat Pakistan

  • Von Anhängern empfangen. Hohe Sicherheitsstufe
  • PLUS: Zahlreiche Tote bei Doppelanschlag auf Armee

Unter dem Jubel tausender Anhänger ist der frühere pakistanische Premierminister Nawaz Sharif in sein Heimatland zurückgekehrt. Der Oppositionspolitiker landete in Lahore, wo er mit Spruchbändern, Parteifahnen und "Lang lebe Sharif!"-Rufen empfangen wurde. Rund tausend Polizisten sorgten für die Sicherheit am Flughafen. Die Regierung plante nach eigenen Angaben diesmal nicht, Sharif abzuschieben oder festzunehmen.

Bei zwei Anschlägen auf die pakistanische Armee wurden zuvor mindestens 20 Menschen getötet. Die Streitkräfte töteten eigenen Angaben zufolge mehr als 30 Aufständische in der Grenzregion zu Afghanistan.

Sieben Jahre im Exil
Sharif kam in einem Flugzeug des Königs Abdullah von Saudi-Arabien an, wo er sieben Jahre im Exil gelebt hatte. Rund 40 Menschen, zumeist Verwandte, begleiteten ihn. Sharifs Anhänger zogen mit Transparenten und Porträts des Politikers durch die Straßen des ostpakistanischen Lahore, nachdem sie in der Nacht bereits seine bevorstehende Rückkehr mit Tänzen und Feuerwerk gefeiert hatten. Die 40 Kilometer lange Straße vom Stadtzentrum zum Haus der Familie Sharif war mit Willkommens-Bögen und bunten Bannern geschmückt.

Die Polizei verstärkte ihr Sicherheitsaufgebot in der Hochburg Sharifs. Rund 5000 Beamte waren im Einsatz und errichteten zahlreiche Kontrollposten. Bei der Rückkehr der Oppositionsführerin Benazir Bhutto im Oktober waren bei Anschlägen in Karachi 139 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden.

Sharif war bereits im September nach Pakistan gereist, von der Regierung aber umgehend wieder abgeschoben worden. Der Ex-Premier war im Dezember 2000 ins Exil geschickt worden, nachdem General Pervez Musharraf, der heutige Präsident, in einem Militärputsch seine Regierung gestürzt hatte.

Anschlag auf Armee
In Rawalpindi rammte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug einen Bus der Streitkräfte an der Einfahrt zum Armee-Hauptquartier, wie ein Armeesprecher mitteilte. Beinahe im selben Augenblick sei ein weiteres Fahrzeug an einem Kontrollposten in die Luft geflogen. Demnach starben bei dem Anschlag auf den Bus, von dem nur noch ein ausgebranntes Gerippe übrig blieb, mindestens 15 Menschen.

Andere Quellen aus dem Umfeld der Sicherheitskräfte sprachen jedoch von mindestens 19 Toten sowie einem Todesopfer an dem Kontrollposten. Mindestens 40 weitere Menschen wurden bei dem Doppelanschlag zum Teil schwer verletzt. Rawalpindi ist ein Vorort der pakistanischen Hauptstadt Islambad. Neben dem Generalstab der Armee hat dort auch Musharraf seinen Amtssitz.

Nachdem das Oberste Gericht, das seit der Verhängung des Ausnahmezustands Anfang des Monats mit Musharraf-treuen Juristen besetzt ist, im Laufe der Woche alle Einwände gegen die Rechtmäßigkeit seiner Wiederwahl als Staatschef zurückgewiesen hatte, erklärte die Wahlkommission Musharraf am Samstag offiziell zum Sieger. Es wird erwartet, dass der General in Kürze seine Uniform ablegt und als ziviler Präsident vereidigt wird.

Unterdessen setzte die Armee ihren Kampf gegen mutmaßliche Taliban-Anhänger im Nordwesten des Landes fort. Mehr als 30 Aufständische und ein Soldat seien bei Kämpfen im Swat-Tal in der Grenzregion zu Afghanistan ums Leben gekommen, teilten die Streitkräfte mit. Die zunächst 24-stündige Ausgangssperre in der Region wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Musharraf hatte die Verhängung des Ausnahmezustands vor allem mit der Zunahme von Anschlägen radikalislamischer Rebellen begründet.

(apa/red)

26.11.2007 13:50