Streiks kosten Sarkozy Sympathien: Nur mehr 58 Prozent finden "Super-Sarko" gut!
- Opposition kann davon aber auch nicht profitieren
- Linke Parteien haben zu Streiks lange geschwiegen

·Chirac-Ermittlungen wegen Unterschlagung
"Parteispendenaffäre- Verfahren" eingeleitet
·In der Grande Nation rollt künftig der Rubel
Sarkozy bekommt nun fette Gehaltserhöhung
Nach neuntägigem Streik haben die Mitarbeiter der französischen Bahn am Freitag ihren Ausstand de facto beendet und sind zur Arbeit zurückgekehrt. Es wird voraussichtlich aber noch ein paar Tage dauern, bis sich der öffentliche Nahverkehr in Paris und anderswo wieder völlig normalisiert. Die Bahnbeschäftigten wollten sich seinen Plänen widersetzen, ihre Frührenten abzuschaffen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärte sich unterdessen zum Sieger im Konflikt mit den Streikenden, obwohl er in Umfragen zuletzt deutlich abgesackt war.
So hatte die überwiegende Mehrheit der 45 Streikversammlungen für ein Ende des Ausstandes und Verhandlungen mit der Regierung gestimmt. Verbündete von Sarkozy werteten das Streik-Ende als Erfolg. Allerdings drohten einzelne Gewerkschaften für Dezember mit neuen Streiks, sollten die Verhandlungen nicht befriedigend verlaufen. Sarkozy will in Kernpunkten der Pensionsreform nicht nachgeben.
"Diese Reform: Ich habe sie versprochen, und ich habe daran festgehalten", sagte Sarkozy am Freitag. Die Abschaffung der Eisenbahner-Privilegien gilt als symbolisch und inhaltlich gleichermaßen wichtiges Kernstück seiner umfassenderen Pläne zur Umgestaltung der französischen Wirtschaft.
Streik als Sympathie-Malus
Dennoch: Der Streik hat Präsident Sarkozy erhebliche Sympathien bei den Wählern gekostet. Die Opposition kann davon aber nicht profitieren. Nach einer Umfrage des Instituts OpinionWay für die Pariser Zeitung "Metro" (Freitag) ging die Zustimmung für Sarkozy von 63 auf 58 Prozent zurück. Sein Vorgänger Jacques Chirac war 1995 nach einem Bahnstreik sogar auf 27 Prozent Zustimmung gerutscht. Sarkozys Justizministerin Rachida Dati, die mit Juristenstreiks gegen ihre Justizreform zu kämpfen hat, fiel sogar um 13 Punkte auf 50 Prozent. Auch alle anderen Minister büßten Wählersympathien ein.
Die linke Opposition, die zum unpopulären Bahnstreik weitgehend geschwiegen hatte, verlor ebenfalls. Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal rutschte von 38 auf 37 Prozent. Der beliebteste Sozialist, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, fiel von 59 auf 51 Prozent. In der Rangliste der beliebtesten Linken auf Rang zwei blieb der Trotzkistenführer Olivier Besancenot, der allerdings ebenfalls drei Punkte auf 41 Prozent abgab. Besancenot, der Chef der Revolutionären Kommunistischen Liga, hatte den neun Tage dauernden Bahnstreik kräftig unterstützt und zur Werbung für die Gründung einer "großen antikapitalistischen Partei" genutzt.
Sarkozy bleibt hart
So hatten Verhandlungen mit Gewerkschaften, Unternehmen und Regierungsvertretern begonnen. Im Kern blieb Sarkozy trotz des massiven Drucks unnachgiebig: Die Arbeitszeit der Beschäftigten der Staatsbetriebe wird um zweieinhalb auf die üblichen 40 Jahre angehoben. In den auf einen Monat befristeten Verhandlungen soll es um Kompensationen dafür gehen.
Auch Studenten streiken
Unterdessen eskalierte der Hochschulstreik in Paris. Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen demonstrierenden und arbeitswilligen Studenten wurde am Freitag die Universität Sorbonne geschlossen. Die Hochschulverwaltung erklärte, Studenten, die seit mehreren Tagen den Zutritt zu dem Gebäude versperrten, hätten Kommilitonen angegriffen, die Seminare besuchen wollten. Wegen der unklaren Sicherheitslage sei entschieden worden, die Universität bis Montag zu schließen.
Die Studenten protestieren gegen eine Universitätsreform, die den Hochschulen mehr Autonomie geben und die Anwerbung von Drittmitteln erleichtern soll. Dutzende der 85 Universitäten Frankreichs werden aus Protest gegen die Reform seit Wochen ganz oder teilweise blockiert. (APA/red)
