Türkei erweitert Alphabet um Q, X und W:
Kommt der kurdischen Minderheit entgegen
- Diese Buchstaben werden nur von Kurden verwendet
- In den Neunzigern scheiterte Legalisierung am Militär
Die türkische Regierung erwägt nach einem Zeitungsbericht eine Sprachreform, um der kurdischen Minderheit im Land entgegen zu kommen. Die Buchstaben "Q", "W" und "X" könnten ins türkische Alphabet aufgenommen und damit legalisiert werden, berichtete die Zeitung "Today's Zaman" unter Berufung auf einen hochrangigen Diplomaten im türkischen Außenministerium. Ein solcher Schritt hätte hohe symbolische Bedeutung: Die drei Buchstaben kommen im Kurdischen vor, nicht aber im Türkischen.
Kurdenpolitiker müssen sich deshalb häufig vor Gericht verantworten, wenn sie die Buchstaben in offiziellen Schreiben verwenden. So heißt das kurdische Frühjahrsfest Newroz im Türkischen bis her "Nevroz" - die Verwendung des "W" gilt als Ausdruck des kurdischen Separatismus.
Der türkische Außenminister Ali Babacan hatte vor wenigen Tagen eine neue Reformwelle zu Beginn des neuen Jahres angekündigt. Türkische Zeitungen verstanden dies als Hinweis auf politische Veränderungen, die bei einer friedlichen und dauerhaften Lösung des Kurden-Konflikts helfen sollen.
Laut "Today's Zaman" bezog sich Babacan auf die geplante neue Verfassung der Türkei, mit der unter anderem der politische Einfluss der Militärs weiter beschränkt werden soll. Eine solche Verfassung würde viele neue Reformen ermöglichen, zitierte das Blatt den Außenamts-Diplomaten. In den frühen 90er Jahren sei die Legalisierung der kurdischen Buchstaben am Widerstand der Militärs gescheitert, berichtete das Blatt.
Türkische Medien spekulieren seit Tagen über neue Initiativen der Regierung in Ankara in der Kurden-Politik. Ausgelöst wurden die Spekulationen durch den Hinweis von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, für die Türkei gehe es nicht in erster Linie um einen Einmarsch in den Nordirak, wohin sich kurdische Rebellen zurückziehen, sondern darum, die Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) dazu zu bringen, die Waffen niederzulegen. Zugleich machen in Ankara Gerüchte die Runde, zwei PKK-Anführer, Murat Karayilan und Cemil Bayik, seien im Nordirak gefasst worden und sollen bald an die Türkei ausgeliefert werden. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt aber nicht vor.
(apa/red)
