Dienstag, 20. November 2007

Das Völkermordtribunal in Kambodscha: Rote-Khmer-Henker will Haftverschonung

  • Leitete in den 70ern Foltergefängnis mit 17.000 Toten
  • "Ist ein wichtiges Signal, dass das Land vorankommt"

Erstmals seit dem Ende des Terrorregimes der Roten Khmer vor fast 30 Jahren haben Millionen von Kambodschanern einen einstigen Peiniger vor dem Völkermordtribunal gesehen. Der Chefhenker des Regimes, Kang Keng Iev, alias Duch oder Deuch, beantragte bei der live im Fernsehen übertragenen Anhörung Haftverschonung. Er ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Es war die erste öffentliche Sitzung des Tribunals, das erst nach jahrelangen zähen Verhandlungen gemeinsam von den Vereinten Nationen und der kommunistischen Regierung Kambodschas eingerichtet worden war.

"Dies ist ein Signal, das zeigt, dass Kambodscha vorankommt und die Straffreiheit für die Roten Khmer zu Ende ist", sagte Gerichtssprecher Reach Sambath. Auf der Zuschauerbank saß mit versteinertem Gesicht auch Chum Mey, einer der wenigen, die das berüchtigte Foltergefängnis Toul Sleng überlebten, das Duch damals leitete. "Endlich passiert etwas, um Gerechtigkeit zu finden", sagte er später. Der Ex-Staatschef der Roten Khmer, Khieu Samphan, war zuvor in einem Krankenhaus festgenommen worden.

Wurde 1999 gefasstDer grauhaarige Duch im weißen Polohemd war in einem kugelsicheren Auto aus dem eigens gebauten Gefängnis auf dem Gelände des Tribunals bei Phnom Penh zum Gerichtssaal gebracht worden. "Ich möchte Freilassung gegen Kaution beantragen, weil ich schon acht Jahre, sechs Monate und zehn Tage in Haft war", sagte er, während er die Hände als Zeichen des Respekts vor den Richtern vor der Brust gefaltet hielt. Duch war 1999 von einem Fotografen im Norden des Landes aufgespürt worden. Er arbeitete dort als Lehrer. Er ergab sich und ist seither im Gefängnis. Seine Anwälte argumentieren, dass eine so lange Untersuchungshaft gegen die Statuten des Tribunals verstößt.

In vier Jahren 17.000 Tote
Der 65-Jährige leitete das Foltergefängnis, in das die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 bis zu 17.000 Menschen brachten. Viele wurden zu Tode gefoltert, andere in den sogenannten Killing Fields vor den Toren Phnom Penhs erschossen oder lebendig begraben. Dort wurden später hunderttausende Skelette entdeckt. Unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die einen Bauernstaat ohne Geld und Religion einrichten wollten, kamen bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben. Alle Menschen, die mehr als Volksschulbildung hatten, wurden als Feinde des Staates verfolgt.

Das Gericht will über den Antrag von Duch im Dezember befinden.  Der erste Prozess soll im Frühjahr beginnen. Neben Duch sind die vier anderen noch lebenden ehemaligen Befehlshaber des Regimes vor dem  Gericht angeklagt worden.

(apa/red)

20.11.2007 14:18