Montag, 26. November 2007

"Gnadenfrist" für unsere Soldaten: Start für den Einsatz im Tschad wurde verschoben

  • Die Abreise der Soldaten um eine Woche verzögert
  • Ex-Verteidigungsminister sieht finanzielles Problem

Die Abreise des Vorabkommandos für den umstrittenen Tschad-Einsatzes des österreichischen Bundesheeres verzögert sich. Streitkräftekommandant Generalleutnant Günter Höfler begründete die Verzögerung mit der Verlegung mehrerer internationaler Kräfte in den Einsatzraum. Diese erfolge mittels Lufttransport und müsse mit anderen Nationen koordiniert werden.

Man sei vom irischen Kommando der EU-Mission gebeten worden, noch einige Tage zu warten, um diese Koordination zu ermöglichen. Die österreichischen Soldaten sind laut Höfler aber startklar. Er gehe davon aus, dass sich die Abreise des Vorkommandos um etwa eine Woche verzögern wird.

Insgesamt 160 Soldaten sind an der Mission beteiligt. Die sogenannte EUFOR-Truppe wird im Osten des Tschad an der Grenze zum Sudan stationiert sein. Aufgabe des humanitären Einsatzes ist vor allem, den Mitarbeitern von Hilfsorganisationen militärischen Schutz zu bieten, damit diese die tausenden Flüchtlinge in der Region betreuen können.

Scheibner sieht finanzielles Problem
Der frühere Verteidigungsminister Herbert Scheibner findet den umstrittenen Bundesheer-Einsatz im zentralafrikanischen Tschad grundsätzlich sinnvoll. Die Befürchtungen, dass das österreichische Heer für die Aufgabe nicht gerüstet sei, teilte Scheibner mit. Die Soldaten "können das", sagte der BZÖ-Abgeordnete am Rande einer Pressekonferenz. Die Ablehnung der österreichischen Beteiligung an der EU-Friedensmission im Tschad durch das BZÖ kann Scheibner dennoch mittragen, und zwar aus finanziellen Gründen.

Für den Ex-Minister ist es nicht verantwortbar, dass die Kosten von 25 Millionen Euro für den zunächst auf ein halbes Jahr begrenzen Einsatz vom Verteidigungsressort getragen werden. Für den Auslandseinsatz müsse es zusätzliche Mittel geben, so Scheibner, der Verteidigungsminister Norbert Darabos vorwarf, "für die eigene Armee nichts übrig" zu haben.

Weist Kritik am Bundesheer zurück
Die Kritik, dass das Bundesheer für den Einsatz nicht gerüstet sei, wies Scheibner zurück. Das Gerät sei vorhanden, es müsste nur zur Verfügung gestellt werden. Auch an den Fähigkeiten des Jagdkommandos, das den Kern des 160 Mann starken Kontingents bildet, hat Scheibner keine Zweifel. Wenn man der Meinung sei, dass die Elite-Soldaten des Heeres das nicht können, "kann man gleich zusperren", so Scheibner, der den Einsatz grundsätzlich positiv bewertet. Ein Engagement in Afrika habe auch bei uns positive Auswirkungen, verwies der Abgeordnete auf die Flüchtlingsströme aus Afrika.

(apa/red)

26.11.2007 11:45