Österreichischer Drogenbericht bedenklich:
2007 wieder mehr und jüngere Drogentote
- Konsum von illegalen Substanzen als tödlicher Trend
- Gesundheitsministerin Kdolsky für frühe Prävention

·Ernüchternd: 7.000 Drogentote im Jahr!
EU-Bericht enthält auch Kritik an Österreich
·Daten & Fakten des Drogenberichts 2007
Situation ist in Europa besser als in den USA
·INFO-GRAFIK:
Der EU-Drogenbericht 07
·Suchtgiftmarkt in der EU stabilisiert sich
Injizierende Drogen verloren an Popularität
·Frauen am Steuer sind auf Rezept "high"
Benzodiazepine sind schwierig nachzuweisen
Der "Bericht zur Drogensituation 2007" des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) listet eine Reihe von bedenklichen Fakten auf: So ist die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr erneut - auf nunmehr 197 (2005: 191) - gestiegen. Es gibt offenbar unter jungen Menschen einen Trend zum bedenklichen Missbrauch unterschiedlichster - auch illegaler - Substanzen.
"Wir haben im Jahr 2006 einen neuerlichen Anstieg der Drogentoten auf 197 registriert. Im Jahr zuvor waren es 191 gewesen. Es gab einen solchen Peak um das Jahr 2000. Im Jahr 2001 waren es dann 139", sagte Sabine Haas, Hauptautorin des Reports, gegenüber der APA.
Hier die Entwicklung der vergangenen Jahre: 1997 hatte es in Österreich 141 direkt suchtgiftbezogene Todesopfer gegeben, im Jahr darauf waren es 117, 1999 136, im Jahr 2000 dann 167. 2001 und 2002 sank die Zahl wieder auf jeweils 139, um danach kontinuierlich anzusteigen (2003: 163, 2004: 185, 2005 191 und 2006 dann 197).
Durchschnittsalter der Toten sinkt
Die Expertin: "Leider ist auch das Durchschnittsalter der Drogentoten wieder gesunken. Das ist eine schlechte Entwicklung. Wir haben ein steigendes Problem mit jungen Menschen mit hoch riskantem Drogenkonsum." In dem Bericht selbst heißt es: "Die (...) kontinuierliche Reduktion des Durchschnittsalters der an einer Suchtgiftintoxikation verstorbenen Personen und die Zusammenschau mit anderen Daten sprechen dafür, dass in der Gruppe der jungen Drogenkonsumierenden bzw. -abhängigen die hochriskanten Konsummuster ansteigen."
Fundierte Daten über Süchtige
Die Positiva: Erstmals gibt über eine groß angelegte Befragung praktisch aller Personen, die wegen Drogenproblemen in Österreich in eine Betreuungseinrichtung kommen, ziemlich fundierte Daten über deren Situation. Sabine Haas: "Die Daten stammen von rund 4.200 Personen, die langfristig ambulant betreut wurden, von 1.400 stationär aufgenommenen Patienten, von 560 Drogenkonsumenten, die in niederschwelligen Einrichtungen betreut wurden und von mehr als 5.000, die zumindest kurzfristig versorgt wurden."
Die Überraschung: Bei den langfristig ambulant Betreuten liegt der Anteil der Personen, die sich Heroin injizieren, bei etwa der Hälfte. Sabine Haas: "Man hat in Österreich immer geglaubt, dass praktisch jeder Heroin-Konsument auch injizieren würde." Intravenöser Drogenkonsum ist gesundheitlich besonders riskant.
Intravenösen Konsum steigt
Doch daneben gibt es auch einen negativen Trend: Mit zunehmendem Alter schlittern die Heroin-Konsumenten offenbar immer mehr in den intravenösen Konsum hinein. Die Expertin: "Bei den unter 20-Jährigen sind es etwa 25 Prozent, bei den 20- bis 29-Jährigen 37 Prozent und bei den über 30-Jährigen 59 Prozent. Hier sollten Konzepte entwickelt werden, um den Umstieg beispielsweise vom Sniffen zum Spritzen zu verhindern." Der Altersgipfel bei den Opiat-Abhängigen liegt zwischen 20 und 24 Jahren im niederschwelligen Betreuungsbereich ("Ganslwirt"). Starker Cannabis-Konsum mit Anfragen um Betreuung ist am häufigsten in der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren.
Immer mehr in Therapie
Positiv ist auch, dass mit Ende 2006 in Österreich bereits 8.120 Opiatabhängige in Substitutionstherapie waren. Es gab allein im vergangenen Jahr fast 1.100 "Neuanfänger". Doch auch hier gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Die EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD kritisiert regelmäßig, dass in den Haftanstalten noch immer zuwenige Opiatabhängige eine Substitutionsbehandlung bekommen. "Aktuellen Meldungen zufolge wird in Österreich etwa einem Drittel der Gefängnisinsassen mit Opiatabhängigkeit eine Drogenersatztherapie angeboten", heißt es in dem Report. In der Grazer Haftanstalt Jakomini betrage der Anteil der Drogensüchtigen Häftlinge mittlerweile aber bereits 30 Prozent.
Kdolsky für Aufklärung
"Prävention und Aufklärung müssen schon im frühesten Kindesalter ansetzen, um den besorgniserregenden Trends in Europa erfolgreich entgegenzuwirken", erklärte Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky in einer Aussendung. Kritik gab es vom BZÖ und von der FPÖ.
In Österreich werde - so die Ministerin - der bewährten Drogenersatztherapie durch weiteren Ausbau der Substitutionsbehandlung und der Behandlungsvielfalt besonderes Augenmerk geschenkt.
(apa/red)
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