Freitag, 23. November 2007

Schreckensschreie lassen uns meist kalt: Österreicher haben zu wenig Zivilcourage!

  • Studie nahm unser soziales Verhalten unter die Lupe
  • Nur jeder Dritte würde zu seiner Meinung stehen

Die Zivilcourage der Österreicher unterscheidet sich in der Theorie stark von der gelebten Praxis. Das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS hat das soziale Verhalten kritisch unter die Lupe genommen und die Ergebnisse veröffentlicht. Es zeigte sich: Schreckensschreie aus einer fremden Wohnung lassen fast jeden Zweiten kalt.

IMAS hat im Zeitraum von 23. Oktober bis 9. November 1.099 repräsentativ für die österreichische Bevölkerung über 16 Jahre ausgewählte Personen befragt. Ihnen wurden verschiedene Situationen, in die man im Alltag geraten kann, beschrieben. Dann mussten sie sagen, was man tun sollte und wie sie persönlich handeln würden. 85 Prozent finden, man sollte einer Frau, die sexuell belästigt wird, zu Hilfe kommen. 69 Prozent würden das auch tatsächlich tun. Bei einer Rauferei würden zwölf Prozent dazwischengehen.

Nur jeder Dritte würde zu seiner Meinung stehen
Nur jeder Dritte würde bei einer Versammlung auch dann seine Meinung vertreten, wenn die Mehrheit anders denkt. Auch mit einem offenen Bekenntnis zur politischen Einstellung sind die Österreicher zurückhaltend: Weniger als die Hälfte findet, man müsse sich zu einer Partei, der man nahesteht, auch bekennen. Gar nur 31 Prozent würden sich selbst politisch outen.

Generell sinkt die Zivilcourage mit dem Alter und steigt mit dem Bildungsgrad. Männer und Frauen sind etwa gleich mutig. Es zeigten sich aber große Unterschiede zwischen den politischen Lagern: Anhänger der Grünen, der FPÖ und des BZÖ schreiten viel eher zur Tat als jene der Großparteien. Am schlechtesten schnitten jene ab, die keiner Partei nahestehen oder sich nicht deklarieren wollten: Sie zeichnen sich eher durch Apathie als durch gesellschaftskritisches Engagement aus, so das Fazit der Meinungsforscher. (APA/red)

23.11.2007 12:39