Freitag, 23. November 2007

Polizei startet mit Migrantenrekrutierung:
Sicherheit und Hilfe ohne ethische Grenzen

  • Für mehr "sprachliche und kulturelle Kompetenz"
  • Zukünftig mindestens ein Migrant pro Dienststelle

"Wien braucht dich", "Viena te necesita", "E Viena trubul tut" - in den verschiedensten Sprachen hat die Wiener Polizei ihre Botschaft auf Folder drucken lassen. Schließlich will sich die Exekutive ab sofort gezielt um Bewerber mit Migrationshintergrund bemühen. Während beim offiziellen Start der Rekrutierungsoffensive Vertreter von Stadtpolitik und Polizei von "Chancengleichheit" und "Weltoffenheit" sprachen, äußerte sich die umworbene Zielgruppe auch kritisch.

"Die Polizei macht auf", fasste Karl Mahrer, Stellvertreter des Landespolizeikommandanten, die Grundbotschaft der Aktion zusammen. Man wolle Weltoffenheit, Menschlichkeit und Vielfalt signalisieren und das eigene Blickfeld erweitern, so der Beamte. Derzeit belaufe sich der Anteil an Mitarbeitern nicht-österreichischer Herkunft auf knapp ein Prozent (50 von rund 6.000), während in Wien etwa 30 Prozent der Bevölkerung Zuwanderer seien.

Mit speziellen Publikationen und Infoveranstaltungen sollen also künftig 18- bis 30-jährige Wiener mit fremdländischen Wurzeln (aber mit österreichischer Staatsbürgerschaft, Anm.) für den Polizeiberuf motiviert werden. In fünf Jahren soll dann jede Polizeiinspektion der Stadt mit mindestens einem Migranten besetzt sein. Der große Andrang bei der öffentlichen Kick-off-Veranstaltung in der Volkshochschule Ottakring ließ jedenfalls auf reges Interesse schließen.

Sicherheit und Hilfe ohne ethische Grenzen
Stellvertretend für die bisher wenigen Polizisten mit nicht-österreichischen Wurzeln sprach Yüksel Grohs über ihre Erfahrungen. "Sprachkenntnisse und das Bescheidwissen über verschiedene Mentalitäten oder Religionen sind ein enormer Vorteil im Arbeitsalltag", resümierte die 34-jährige türkischstämmige Chefinspektorin, die seit 16 Jahren bei der Polizei ist. "Sicherheit und Hilfe kennt keine ethischen Grenzen", so Grohs.

Unterstützt wird die Aktion von allen im Rathaus vertretenen Fraktionen - mit Ausnahme der FPÖ. Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (S) nannte die Chancengleichheit zwischen in- und ausländischen Bewerbern als wesentliches Ziel. Außerdem schaffe die Initiative für den Dialog notwendige sprachliche und kulturelle Kompetenzen, hieß es seitens des Podiums. Aus dem - großteils mit jungen Zuwanderern besetzten - Auditorium kamen neben Anfragen zu Aufnahmekriterien und Prüfungsmodalitäten auch kritische Meldungen.

Polizisten mit Turban?
Die Beschwerden reichten von unbeantworteten Bewerbungsschreiben bis hin zu fremdenfeindlichen Äußerungen von Beamten. Natürlich passierten immer wieder Fehler, die konsequent bereinigt gehörten, entschuldigte sich Mahrer. Von einem Vertreter der indischen Community darauf angesprochen, ob Kopfbedeckungen wie ein Turban problematisch wären, verwies der Generalmajor auf die Uniformvorschriften. Die Frage nach etwaigen Betmöglichkeiten für Muslime blieb unbeantwortet.
(apa/red)

23.11.2007 09:52