Studienergebnisse Skiregion Schladming: Seehöhe heißt nicht gleich Schneehöhe
- Teufelskreis: Kunstschnee hoher Energieaufwand
- Jährlich hohe Investitionen in Schneekanonen & Co

·Gletscherschwund: 80% weniger bis 2050
Vom Großglockner wird nicht viel übrig bleiben
·2050 gibt es keine Alpen-Gletscher mehr
Schwere Einbußen für Wintertourismus erwartet
·Winter 2006/07 war wärmster überhaupt!
Rekordwert von zwanzig Grad Plus im Dezember
Die meisten Ski-Openings starten dieses Wochenende. Bei der Pressekonferenz zum Klimawandel in Wien wurde ein am 12.11.2007 geschossenes Foto einer verschneiten Winterlandschaft abseits der Piste gezeigt - ob in Zukunft eingezuckerte Bäume oder eher Schneekanonen das Bild abseits der Piste prägen, bleibt allerdings fraglich.
Bereits 2003 lautete die düstere Prognose der WHO: Skisport ist ab 2025 nur mehr über 1500m möglich. Was das Aus für so manche österreichische Skiregion bedeuten würde, wollte man vor Ort so nicht hinnehmen, und es wurde eine Studie gestartet, dessen Ergebnisse nun in einer Pressekonferenz präsentiert wurden. Dr. Ulrike Pröbstl, Studienautorin zeigte lokale Fakten statt globalen Katastrophenmeldungen auf: So sei die Schneehöhe nicht von der Seehöhe abhängig, sondern auch von lokalen Parametern wie Kleinklima, Relief und Exposition.
Beschneiung in Schladming oft besser als über 1000m
Neben der Topographie sind auch Inversionslagen mit ausschlaggebend für die Schneebedingungen in den alpinen Regionen, war ein weiteres Ergebnis der vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung finanzierten Studie bis 2030 bestehe in Schladming die Möglichkeit, Anpassungen bei den touristischen Strukturen vorzunehmen, erklärte Pröbstl. Und zu diesen Anpassungen gehöre, so Pröbstl, auch die Beschneiung: "In Schladming sind die Voraussetzungen durch den engen Talraum in tiefen Lagen oft besser als über 1.000 Meter Höhe". Wenn die Beschneiungstechnologie noch weiter verbessert wird, und bereits bei - 1 Grad Celsius effizient beschneit werden könnte, könnte in Zukunft sogar mehr Schnee produziert werden als bisher, zeigte sich Pröbstl optimistisch.
Hohe Investitionen
Daher scheint es nur logisch, dass immer mehr Geld in technische Beschneiung investiert wird. Für die heurige Wintersaison wurden bereits 127 Mio. Euro verpulvert, und die Investitionsprognosen für 2008/2009 sprechen mehr als doppelt soviel: 300 Mio. Euro.
Ohne Beschneiung hätten wir den vergangenen Winter nicht überstehen können, begründet Dr. Erik Wolf, Geschäftsführer des Dachverbandes der Seilbahnen Österreichs, diese Ausgaben.
Teufelskreis Beschneiungsanlagen
Dass Schneekanonen & Co aufgrund ihres immensen Energieaufwandes für den Klimawandel und somit grüne Pisten mitverantwortlich sind, wurde bei der Pressekonferenz weitgehend ausgeblendet. Doch die steirischen Schneekanonen verbrauchen ingesamt laut Energie Steiermark pro Saison soviel Strom wie 10.000 Haushalten pro Jahr. Allein der Energieverbrauch der Planai-Hochwurzenbahnen entspreche dem von vier Airbus-Flügen in die Karibik, so die Betreiber. Die wahren "Energiefresser" sind dabei nicht die Schneekanonen, sondern die Pumpen, die das Wasser zu den Kanonen transportieren. Seit den 80-er Jahren hat sich in der Energieeffizienz einiges getan: Während damals für die Produktion 1 Kubikmeter Schnees noch 7 kw/h verbraucht wurden, bedarf es dazu heute nur mehr 1kw/h.
Keine Alternative zu Wintertourismus
Für Wolf ist der Wintertourismus unerlässlich: Trotz Bemühungen im Sommer ein zusätzliches Standbein auf zu bauen, erzielen wir 93% unseres Umsatzes im Winter. Aus ökonomischer Sicht gibt es mittelfristig keine Alternative zum alpinen Wintersport. Das wird auch durch 2,58 Milliarden Euro als jährlichen Beitrag der Seilbahnwirtschaft zum österreichischen Volkseinkommen eindrucksvoll bestätigt, so der Chef der Seilbahnen.
Immer mehr Wintersportregionen versuchen, trotz alledem ein Ersatzprogramm für schneelose Tage anzubieten: Doch Wellnessangebote und Shoppingmöglichkeiten werden meist nur von besser verdienenden Urlaubern in Anspruch genommen, weiß Pröbstl aus ihrer Studie. (apa/red)
