Donnerstag, 15. November 2007

IPTV: Wunderwaffe oder Rohrkrepierer?
Anbieter benötigen für Erfolg langen Atem

  • Experten sehen wenig Chancen auf Total-Durchbruch
  • Koexistenz alter und neuer TV-Welt weit realistischer

Triple Play - das Telefonieren, Web-Surfen und Fernsehen über das Internet - soll im Bündelangebot zu den Wunderwaffen der Telekommunikationsbranche zählen. Harald Summa, Chef des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft, mag die neue, auch von Anbietern geschürte "Euphorie nicht uneingeschränkt teilen". Einige Experten sehen gar schon Parallelen zu dem Flop, den die Branche mit der milliardenteuren Mobilfunktechnik UMTS erlebte. Denn die meisten Fernsehzuschauer fühlen sich durch Kabel, Satellit oder Antenne offenbar ausreichend mit TV-Programmen versorgt", schreibt der Spiegel.

Bislang waren weder die Video-on-Demand-Angebote im Internet noch die Versuche anderer Telefongesellschaften, IPTV populär zu machen, besonders erfolgreich. "Das vom Angebot vergleichbare, aber deutlich günstigere Alice homeTV, das seit 2006 für die Hansenet-Kunden in elf Städten - darunter Berlin und Hamburg - zur Verfügung steht, haben bislang gerade einmal 13.000 Abonnenten gebucht", berichtet der Spiegel.

Keine Chance für Pay-TV
Nach Ansicht von Bernhard Steimel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Beratungsfirma Mind Business Consultants, ist es fraglich, woher die Einnahmen kommen sollen: "Nur ein Sechstel der Kabeldirektkunden können ihren Anschluss substituieren, die übrigen müssten die Abo-Gebühr für IPTV zusätzlich bezahlen. Auch ist die Annahme riskant, dass wesentliche Einnahmequelle aus den Erlösen einer Pay TV-Gebühr kommen. In Deutschland sind die Barrieren für diesen Markt seit Jahren sehr hoch - die schwache Penetration bestätigt das", sagt Steimel.

Geteilter Markt realistisch
Es spricht einiges dafür, dass es keine schnelle Substitution gegenwärtiger TV-Empfangswege geben wird, sondern eine Koexistenz der alten und neuen TV-Welt. "Die Botschaft, Satellitenschüssel und TV-Kabel sind überflüssig, erinnert an die Meldungen Anfang des Jahres 2000, wo öffentlich auf der CeBIT Telefonanlagen mit der Aussage zertrümmert wurden, dass es künftig nur noch IP-Telefonie geben wird. Sieben Jahre später werden noch immer ISDN-Telefonanlagen verkauft, wenngleich die IP-Kommunikation jetzt auch die notwendige Marktrelevanz hat. Ob die Telefongesellschaften den langen Atem haben und das richtige Marketing-Konzept für IPTV, bleibt daher abzuwarten", so der Ausblick von Steimel. (pte/red)

Quelle: Pressetext

15.11.2007 11:34