Neue Wege für die Finanzierung von Musik: Mica-Konferenz auf dem Weg in die Zukunft
- Experte: "Das Ende des Massen-CD-Marktes naht"
- Live-Musik profitiert von den Musikdownloads

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Die ersten MP3-Abspielgeräte vor 10 Jahren brachten den Musikkonsum ins Rollen: Sinkende Tonträgerverkäufe, rauchende Köpfe der Plattenfirmen-Manager sind die Folgen. In Wien tagte das Music Information Center Austria (mica) unter dem Motto "The fan, the music, and the net" und überlegte, wie die Musik in Zukunft weitergehen soll.
Die herkömmliche Art, über die großen Plattenfirmen und deren Marketingabteilungen CD-Absätze in Millionenhöhe zu generieren, funktioniert immer weniger. Was nicht schlecht sein muss: "Wenn die Musik nicht unter der Kontrolle der Firmen steht, ist das eine gute Nachricht", sagte Peter Jenner, ehemals Manager von Pink Floyd und seit 40 Jahren im Musikbusiness. Dennoch müsste man "einen neuen Deal" zwischen Musikindustrie und Konsumenten finden. "Die ökonomische Basis der Musik wurde durch die elektronischen Verbreitungswege vollständig unterminiert", sagte der Musikmanager.
Musik pauschal besteuern
Jenner spricht sich für eine "Abgabe auf die Anarchie" aus: Ein kleiner Pauschalbetrag, der auf die monatlichen Kosten für Breitband-Internetverbindungen aufgeschlagen werden soll, soll für genug Einnahmen sorgen, dass es auch in Zukunft "hochwertige Musikaufnahmen" geben wird. Dies soll jedoch keine herkömmliche "Flat Rate" für Musik sein (da dies mit den weltweiten Rechteabgeltungen unmöglich zu organisieren wäre), sondern eine "Abgeltung für den unautorisierte Online-Nutzung von Musik".
Drei Euro für die Musikerförderung
Jenner beziffert die Pauschale bei rund drei Euro pro Monat und Internet-Verbindung - dies würde den Musikern (sobald sie ihre Rechte an ihrer Musik angemeldet haben) und der Musikindustrie bei flächendeckender Durchsetzung sogar mehr Einnahmen verschaffen, als sie jemals hatten. Es sollte eine Möglichkeit geben, aus der Pauschale auszusteigen, etwa bei nur beruflich genützten Computern - bei Vergehen solle es dann jedoch "sehr hohe Geldstrafen" geben.
Alle anderen Methoden, mit denen die Musikhörer zum Bezahlen von online konsumierter Musik verleitet werden sollten, "haben in verschieden starkem Ausmaß versagt. iTunes ist ein guter Weg, iPods zu verkaufen, aber nicht Musik." Wenn sich keine Lösung finde, sei in wenigen Jahren die "Ära des Massen-CD-Markts fast sicher zu Ende".
Live-Musik freut sich über mp3
Doch nicht allen geht es schlechter. Denn die Live-Musik erlebe einen Boom, wie sich in Großbritannien nach einer Gesetzesänderung, nach der erstmals alle Auftritte auch in Pubs oder Hotels angemeldet werden mussten, deutlich gezeigt hat, so Sharkey, Musiker und Berater der britischen Regierung in Hinblick auf Live-Musik. "Es gibt hier keinerlei negativen Einfluss durch das Internet oder die Technologie", sagt er. Auftritte von ein paar Burschen und Mädchen in Hinterzimmern - "dort beginnt es, und dort bleibt die Musik am Leben",
In einem stimmte Sharkey mit Jenner überein: Digitales Rechtemanagement "hat nicht funktioniert, funktioniert nicht und wird nicht funktionieren". Bei der mica-Konferenz sollten in Folge Themen wie das Generieren von Aufmerksamkeit und von Publikum für Musiker, Fragen von Urheberrecht und Abgaben sowie die politischen Anforderungen diskutiert werden.(apa/red)
