Mittwoch, 14. November 2007

Der importierte Krieg

Kurden gegen Türken. Warum ihr Konflikt nun nach Österreich überschwappt. Und wie er zu eskalieren droht.
Die Lunte brennt. Brandbomben, Messerstechereien, Massendemos. Wie sich die Einwanderer bekämpfen.

Eiskalter Wind peitscht über die Wiener Ringstraße. Vor der Staatsoper trotzen am vergangenen Samstag an die 1.500 Menschen dem allmählich stärker werdenden Regen. Einer von ihnen ist Mevlüt Kücükyasar – 23 Jahre alt, Kurde, Student der Politikwissenschaft, Vorstand des Dachverbands kurdischer Vereine (Feykom) und seit 15 Jahren in Österreich. Er steigt in einen weißen Bus und greift dort zum Megafon: „Brüder und Schwestern“, appelliert er an die Demonstranten draußen, „bitte, lasst euch nicht provozieren, sollten Türken versuchen, unseren Protest zu stören. Und bitte“, fleht er weiter, „antwortet auf deren Gewalt nicht auch mit Gewalt.“

Brandanschläge, Messerstechereien, unverblümte Drohungen – die Angst vor Aggression, sie ist real geworden in diesen Tagen. Denn der Konflikt zwischen Kurden und Türken steht vor einer erneuten Eskalation – in den Bergen Ostanatoliens genauso wie auf den Straßen in Europas Städten.

Gewalt nach Europa verfrachten. „Wenig verwunderlich“ sei dies, befindet Kücükyasar, „denn der türkische Staat hat auch die in Europa lebenden Landsleute offen aufgefordert, gegen Kurden und ihre Vereine vorzugehen.“ Tatsächlich ist es in Deutschland bereits zu ersten Straßenschlachten zwischen den beiden Volksgruppen gekommen. Und auch Österreich ist längst betroffen. Hier leben 180.000 Menschen, die in der Türkei geboren wurden – ein Drittel davon sind Kurden. Hinzu kommt jeweils die zweite Generation, die schon in Österreich aufwuchs, sich der Heimat der Eltern aber immer noch eng verbunden fühlt.

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14.11.2007 17:19