Freitag, 16. November 2007

Mitten in den roten Zahlen: ORF erwartet für nächstes Jahr 36,5 Millionen Euro Verlust

  • Auflösung von Rücklagen soll Minus abdämpfen
  • ORF rechnet mit mehr Werbung: Insgesamt 300 Mio.

Der ORF erwartet im Jahr 2008 ein Minus von 36,5 Millionen Euro als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Ohne Konzernüberleitungen und einen Finanzerfolg u.a. der Tochterfirmen (GIS, Enterprise, ORS) würde der "operative Betriebserfolg" der ORF- Mutter sogar minus 90 Millionen Euro betragen. Diese Zahlen gehen aus dem ORF-Finanzplan vor, der an die Stiftungsräte versandt wurde.

Grund für das dicke Minus sind laut ORF die Übertragungen der EURO sowie der Olympischen Spiele in Peking und der weitere Ausbau der Digitalisierung. Für die sportlichen Großereignisse plant der ORF ein Sonderbudget von 29,3 Millionen Euro, rund zehn Mio. Euro wurden als zusätzliche Kosten für die Digitalisierung veranschlagt. Weitere 9,5 Mio. Euro investiert der Sender in die Einführung des hochauflösenden Fernsehens HD-TV.

Auflösung von Rücklagen geplant
Das negative operative Ergebnis will ORF-Generaldirektor Wrabetz durch die Auflösung von Rücklagen ausgleichen, so dass das Bilanzergebnis 2008 mit einem Plus von 5,6 Mio. im Endeffekt leicht positiv ist. Der ORF verfügt derzeit über einen Eigenmittelbestand (Eigenkapital und Rücklagen) von 290 Mio. Euro.

Eine Gebührenerhöhung sieht der Finanzplan für 2008 nicht vor. Die Einnahmen aus Programmentgelten werden um 1,3 Prozent auf 478,7 Mio. Euro ansteigen, rechnet der ORF. Der Anstieg wird aber durch einen zu erwartenden Rückgang der Werbeerlöse von 1,2 Prozent kompensiert.

ORF rechnet mit mehr Werbung
In Sachen Werbung gibt sich der ORF "ambitioniert", so Wrabetz. Im Fernsehen rechnet man mit Einnahmen in Höhe von 219 Mio. Euro. Beim Radio wird ein Rückgang auf 77,4 Mio. Euro erwartet. Laut Finanzplan werden die Werbeerlöse im Jahr 2008 insgesamt 296,4 Mio. Euro betragen.

Dass beim ORF die Ausgaben steigen während die Einnahmen sinken, bekommt auch die heimische Filmwirtschaft zu spüren: 2008 wird der ORF 76,2 Mio. Euro für österreichische Produktionen vergeben - rund 4,5 Mio. Euro weniger als im Jahr 2007.

Ein weiteres "Opfer" der Sparmaßnahmen ist der Spartenkanal TW1, der ursprünglich zu einem Info- und Kulturkanal umgebaut werden sollte. "Ein Umbau ist im Finanzplan nicht vorgesehen", so Wrabetz. Der Finanzplan steht am 13. Dezember auf der Tagesordnung der ORF- Stiftungsräte.
(APA/red)

16.11.2007 17:33